Grischa Tannberg ist Jungaktivist mit Abschluss der (DDR-)Hochschule Bruno Leuschner. Er hat eine Stelle in der Planungskommission in Berlin bekommen, in der Hauptstadt der DDR, für DDR-Bürger eine Stadt des Westens, die im Osten liegt, wo es vieles gibt was es in der DDR sonst nicht gibt. In der Abteilung für wirtschaftliche Beziehungen ist er für die Zusammenarbeit mit dem Bruderland Afghanistan zuständig. Anstatt sich mit den in den Kommissionen üblichen „Arten des kunstvollen Wartens“ zu beschäftigen macht er sich, von seinen Kollegen misstrauisch beäugt, an die Arbeit. Nur, Afghanistan hat wirtschaftlich gar nichts zu bieten. Nur ein einziges Produkt, Schlafmohn. Und davon jede Menge. So kommt Grischa auf eine verwegene Idee die wirtschaftlichen Beziehungen auszubauen. Er entwickelt einen zwar heiklen aber detailliert und sorgfältig ausgearbeiteten Plan und legt ihn seiner Behörde vor. Und dieser Plan wird sogar angenommen und genehmigt. Die DDR importiert Schlafmohn als Medizinalhanf, bereitet ihn sorgfältig in absoluter Topqualität auf, portioniert ihn und verkauft ihn im Transitbereich eines Übergangs zu Westberlin in einem deutsch-afghanischen Freundschaftsladen nach dem Vorbild der niederländischen Coffeeshops an Westtouristen. Und die brauchen dafür nicht einmal nach Ostberlin einzureisen. Mehrere Fliegen werden so mit einer Klappe geschlagen. Die afghanischen Bauern werden so beim sozialistischen Aufbau unterstützt, es werden Divisen eingenommen an denen es der DDR immer mangelt, die DDR präsentiert sich als fortschrittlicher Staat mit wissenschaftlich-rationalem Umgang mit Haschisch. Die Idee schlägt ein und vor dem Freundschaftsladen bilden sich Schlangen von Käufern. Die Behörden der BRD können nur machtlos zuschauen. Jede Maßnahme, den Käufern die Einreise in die Transitzone zu verweigern, käme einer Anerkennung der Grenze gleich - 1982 ein absolutes No-Go.
Ein grandioses, schrulliges Schelmenstück das eigentlich auf die Verfilmung wartet. Vom Autor, Psychiater in Berlin, gekonnt verknüpft mit dem bis heute mysteriösen Milliardenkredit, den F.J. Strauß der eigentlich zahlungsunfähigen DDR vermittelte und für den der Autor mit seinem Roman eine ganz neue Erklärung liefert. Eine herrlich überdrehte, groteske Geschichte mit satirischen Seitenhieben auf Politik und Bürokratie der DDR wie auch der BRD, die die Grenze nicht anerkannte und für die daher eine in der DDR legale Handlung auch in der BRD legal war. Wie diese Geschichte mit einigen Parallelen zu „Good bye, Lenin“ ausgeht? Lesen Sie selber! Nur soviel sei verraten: Für Grischa endet sie als „Held der Arbeit“.
Gustav Förster