Ein Roman, der an einer Supermarktkasse beginnt. Dort sitzt Tilda, Mathematikstudentin kurz vor dem Master. Sie schaut bei der Arbeit nicht auf, sie spielt ein Spiel, versucht die Kunden an Hand der Ware auf dem Band zu identifizieren. Hafermilch -Pling – Mandelmilch -Pling – tiefgefrorene Himbeeren – Pling – Haferflocken – Pling – Bananen – Pling -, ca. 30, männlich, schlacksig, Levis-Shirt, rahmlose Brille rät sie und schaut auf. Nach Feierabend geht Tilda ins Schwimmbad und schwimmt 22 Bahnen. Manchmal setzt sie sich auch auf den oden des Schwimmbeckens und schaut den anderen Badenden von unten zu. Danach geht sie nach Hause, in das traurige Haus in der Fröhlichstraße. Zu ihrer alkoholkranken Mutter und zu ihrer kleinen Schwester Ida, die sie abgöttisch liebt, die gerne und gut malt und die Tilda auch manchmal ins Schwimmbad begleitet. Aber nur bei schlechtem Wetter. Tildas Leben ist durchgetaktet. Gnadenlos. Studium, Arbeit, Verantwortung für Mutter und Schwester. Und dann wird ihr die Promotion angeboten, in Berlin, weg aus der Kleinstadt, die sie hasst, allein mit Mutter und Schwester, Problemen und Verantwortung. Und dann taucht Viktor auf, der Bruder ihres toten Freundes Ivan. Auch er schwimmt 22 Bahnen. Und zu Hause, im traurigen Haus in der Fröhlichstraße eskaliert die Situation.  Tildas Leben gerät aus dem Takt.  Darf sie zur Promotion nach Berlin gehen, Mutter und Schwester allein lassen?

Ein wunderbar fesselndes Debüt, kurz, knapp, realistisch und beeindruckend erzählt. Eine Geschichte, die man auf viele 100 Seiten auswalzen könnte, ohne dabei so viel zu sagen wie Caroline Wahl auf knapp 200 Seiten. Trostlosigkeit positiv und hoffnungsvoll geschildert. Kampf zwischen Verantwortung für Mutter und Schwester und dem Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Bedingungslose Schwesternliebe. Ein Roman, den begeisterte Rezensenten schon mit TSCHIK verglichen haben, während die Autorin lieber Alina Bronskys SCHERBENPARK als Vorbild heranzieht. Gerne würden wir Leser wissen wie es weitergeht, mit Tilda, mit Ida, in Berlin, in der Fröhlichstraße.

Gustav Förster


Bibliographie
Tipp
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22 Bahnen
Caroline Wahl
22 Bahnen
Roman
EAN: 978-3-8321-6803-2
Tildas Tage sind strikt durchgetaktet: studieren, an der Supermarktkasse sitzen, sich um ihre kleine Schwester Ida kümmern und an schlechten Tagen auch um die Mutter. Zu dritt wohnen sie im traurigsten Haus der Fröhlichstraße in einer Kleinstadt, die Tilda hasst. Ihre Freunde sind längst weg, leben in Amsterdam oder Berlin, nur Tilda ist geblieben. Denn irgendjemand muss für Ida da sein, Geld verdienen, die Verantwortung tragen. Nennenswerte Väter gibt es keine, die Mutter ist alkoholabhängig. Eines Tages aber geraten die Dinge in Bewegung: Tilda bekommt eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt, und es blitzt eine Zukunft auf, die Freiheit verspricht. Und Viktor taucht auf, der große Bruder von Ivan, mit dem Tilda früher befreundet war. Viktor, der genau wie sie immer 22 Bahnen schwimmt. Doch als Tilda schon beinahe glaubt, es könnte alles gut werden, gerät die Situation zu Hause vollends außer Kontrolle. 22 Bahnen ist eine raue und gleichzeitig zärtliche Geschichte über die Verheerungen des Familienlebens und darüber, wie das Glück zu finden ist zwischen Verantwortung und Freiheit. 'Caroline Wahl findet das Besondere im Alltäglichen und das Tröstliche im Schmerzvollen. Ein berührendes und feinsinniges Buch, mit dem man gern befreundet wäre.' BENEDICT WELLS 'Ich bin durch 22 Bahnen gerauscht und hellauf begeistert. Herzerwärmend, fein, gnadenlos und richtig schön zugleich.' ALINA BRONSKY

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22 Bahnen