Details
Weitere Details
18.04.2023
Deutsch
208 S., Nominiert für das Lieblingsbuch des unabhä
2.1 x 21.4 x 14.2 cm
DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
herstellung@dumont.de
Amsterdamer Straße 192
DE 50735 Köln
Unser Tipp für Sie
Ein Roman, der an einer Supermarktkasse beginnt. Dort sitzt Tilda, Mathematikstudentin kurz vor dem Master. Sie schaut bei der Arbeit nicht auf, sie spielt ein Spiel, versucht die Kunden an Hand der Ware auf dem Band zu identifizieren. Hafermilch -Pling – Mandelmilch -Pling – tiefgefrorene Himbeeren – Pling – Haferflocken – Pling – Bananen – Pling -, ca. 30, männlich, schlacksig, Levis-Shirt, rahmlose Brille rät sie und schaut auf. Nach Feierabend geht Tilda ins Schwimmbad und schwimmt 22 Bahnen. Manchmal setzt sie sich auch auf den oden des Schwimmbeckens und schaut den anderen Badenden von unten zu. Danach geht sie nach Hause, in das traurige Haus in der Fröhlichstraße. Zu ihrer alkoholkranken Mutter und zu ihrer kleinen Schwester Ida, die sie abgöttisch liebt, die gerne und gut malt und die Tilda auch manchmal ins Schwimmbad begleitet. Aber nur bei schlechtem Wetter. Tildas Leben ist durchgetaktet. Gnadenlos. Studium, Arbeit, Verantwortung für Mutter und Schwester. Und dann wird ihr die Promotion angeboten, in Berlin, weg aus der Kleinstadt, die sie hasst, allein mit Mutter und Schwester, Problemen und Verantwortung. Und dann taucht Viktor auf, der Bruder ihres toten Freundes Ivan. Auch er schwimmt 22 Bahnen. Und zu Hause, im traurigen Haus in der Fröhlichstraße eskaliert die Situation. Tildas Leben gerät aus dem Takt. Darf sie zur Promotion nach Berlin gehen, Mutter und Schwester allein lassen?
Ein wunderbar fesselndes Debüt, kurz, knapp, realistisch und beeindruckend erzählt. Eine Geschichte, die man auf viele 100 Seiten auswalzen könnte, ohne dabei so viel zu sagen wie Caroline Wahl auf knapp 200 Seiten. Trostlosigkeit positiv und hoffnungsvoll geschildert. Kampf zwischen Verantwortung für Mutter und Schwester und dem Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Bedingungslose Schwesternliebe. Ein Roman, den begeisterte Rezensenten schon mit TSCHIK verglichen haben, während die Autorin lieber Alina Bronskys SCHERBENPARK als Vorbild heranzieht. Gerne würden wir Leser wissen wie es weitergeht, mit Tilda, mit Ida, in Berlin, in der Fröhlichstraße.
Gustav Förster