London 1940. Regelmäßig wird die Stadt bombardiert, es droht die Invasion deutscher Truppen. Kinder werden aus der Stadt evakuiert. Auch Beatrix, kurz Bea genannt. Schweren Herzens und zögerlich haben sich ihre Eltern entschlossen das 11-jährige Mädchen zu Pflegeltern in die USA zu schicken, ihre Tochter fremden, unbekannten Menschen anzuvertrauen. Auch die Pflegeeltern wissen nicht was auf sie zukommt, nehmen die schüchterne Bea aber liebevoll auf. Insbesondere Nancy, ihre Pflegemutter, freut sich neben ihren beiden Söhnen, William und Gerald, jetzt auch eine Tochter zu haben. Nach anfänglichem Heimweh, Angst vor der Fremde, Wut auf ihre Eltern taut Bea langsam auf und freundet sich mit ihrer neuen Familie an, unternimmt viel mit ihr, lernt schwimmen und verliebt sich auch heimlich in einen der beiden Jungen. Nach dem Krieg, Beas Vater ist zwischenzeitlich gestorben, kehrt sie nach London zu ihrer Mutter zurück. Nach Hause? Ist sie noch das Mädchen, das vor 5 Jahren England verlassen hat? Bea trauert jetzt ihrer amerikanischen Familie nach, so wie sie vor 5 Jahren ihre Eltern vermisst hat, vermisst ihre amerikanische, die andere Heimat.
UND DAHINTER DAS MEER ist ein Roman über Heimat, aber kein Heimatroman im herkömmlichen Sinn. Es ist eine Geschichte über Krieg und Flucht, Kindertransporte, über die Zerrissenheit zwischen zwei Heimaten, alter und neuer. Über die „englischen Kinder“, von denen es ca. 14.000 gab. Erzählt wird die Geschichte aus den unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten, wobei alle ihre eigene Stimme haben, eine eigene Geschichte sind. Es ist ein Roman über Verlassen und Zurückkommen, Angst, Trauer, über Fremde, über Freunde, Freundschaft. Eine Geschichte, die Bea 35 Jahre lang begleitet, uns Leser, Leserinnen an ihrem Leben als Tochter zweier Familien teilnehmen lässt. Heimat ist da wo ich mich geborgen fühle, kann überall sein, ist nicht an einen Ort gebunden. Der angenehm erzählte und flüssig geschriebene Debut-Roman der Autorin steht in der Shortlist zum Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen. Ganz zu Recht. Unbedingt lesen.
Gustav Förster