„Mit Soul zurück ins Leben“ so titelte der NDR die Besprechung des Romans „Strandgut“ von Benjamin Myers. Es ist die Geschichte von Bucky Bronco. Als 17-jähriger hat er 1967 einen Soulsong aufgenommen. „Until The Wheels Fall Off“. Geld hat er nie erhalten. Einen Vertrag hatte er nicht. Oder den falschen. Die mögliche Karriere nicht weiter verfolgt. Von einem weltweiten Hit hat er nie etwas mitbekommen. Nun lebt er 70-jährig nach dem Tod seiner geliebten Maybell depressiv, tablettenabhängig und verarmt nahe Chicago, treibt antriebslos als Treibgut des Lebens auf das unvermeidliche Ende zu. Da erreicht ihn ein Brief aus England. Eine Einladung zu einem Soulfestival auf dem er als Stargast auftreten soll, Flug und Aufenthalt werden bezahlt, Gage lockt. Er packt seine letzten Schmerztabletten zusammen und fliegt nach England. Dort erwartet ihn Dinah, seine Betreuerin während des Aufenthalts und bringt ihn in ein Hotel das seine besten Zeiten auch schon längst hinter sich hat. Sie ist Mitte Fünfzig, ist begeisterter Soulfan und lebt in liebloser Ehe aufgerieben zwischen Mann, Sohn und Arbeit. Ihren Alltag mit häuslicher Gewalt vergisst sie am besten in den kalten Wellen der Nordsee. Rührend und energisch kümmert sie sich um Bucky. Zwei Menschen, beide Strandgut des Lebens, die Sonnenseite ist weit entfernt, treffen aufeinander, richten aneinander auf. 

„Strandgut“ ist eine langsame Geschichte über den Weg zurück ins Leben. Jeder hat eine Zukunft, manchmal unverhofft. Eine Geschichte über die Kraft der Musik. Und die Härte des Musikgeschäftes. Vor allem aber über das Leben, über Liebe, Schmerzen, Verluste. Und über die Hoffnung, die man nie aufgeben sollte. Über den Mut zum späten Aufbruch. Über Chancen die man ergreifen muss. Ein sanfter, eindrucksvoller Roman, manchmal melancholisch.

Gustav Förster 


Strandgut