Bis vor Kurzem war Cassi erfolgreiche, angesehene Leiterin in einem angesagten Restaurant. Doch dann kam der Burnout. Auch ein kurzes Zwischenspiel in einem Billigladen scheitert. Sie lässt sich treiben, kämpft alleine mit ihren Depressionen und dem Alkohol, dem sie reichlich zuspricht. Lebt von ihrem Ersparten. Angetrunken, eigentlich sogar eher betrunken, stößt sie bei Facebook auf ein baufälliges Häuschen irgendwo auf dem Lande und, nicht ganz Herr ihrer Sinne, likt es. Prompt meldet sich tags darauf ein Makler bei ihr und immer noch nicht ganz nüchtern lässt sie sich zu einer Besichtigung überreden. Und kauft vom Rest ihres Guthabens das heruntergekommene Häuschen und zieht auch ein. Mit ihrem Hund, ohne Perspektive und irgendwelchen Vorstellungen, wie es denn nun weitergehen soll - überhaupt weitergehen kann. Schon beginnen die Missverständnisse. Im Dorf verbreiten sich Gerüchte über eine Aussteigerin, irgendein Guru. Statt dies richtig zu stellen lässt sie sich weitertreiben. Sie spielt das Spiel mit und schlittert so in eine Rolle von der sie keine Ahnung hat. Unbefangen bietet sie jede Art von Therapie an, Wunderheilungen, Coaching, spiritistische Sitzungen. Sie liefert was die begeisterten Dorfbewohner von ihr erwarten. Vor allem die Dorfbewohnerinnen. Nur wenige stehen ihr skeptisch gegenüber. Kann das auf die Dauer überhaupt gut gehen? Im Laufe der Zeit lernt Cassi den alten Pavel kennen, der fast alles kann und ihr immer wieder hilft, Haus und Grund etwas in Ordnung zu halten. Über ihn lernt sie anschließend auch Karl-Adam kennen, den alten Vorbesitzer des Hauses, der im Heim lebt und eigentlich auf den Tod wartet und den etwas mit Pavel eng verbindet. Hier kippt die Geschichte von der bislang skurrilen, fast slapstickhaften leichten Sommerlektüre zu einem Roman mit tiefgründigem Ende. Was leicht und beschwingt begann endet in berührender Tiefe. Eine leichte Sommerlektüre über die Heilkraft von Beziehungen. Lustig. Clever. Über Vorurteile. Über Beziehungen, auch über deren Heilkraft. Über Missverständnisse, die aus Angst zu mitreißenden Selbstläufern, zu Strudeln werden. Eine ideale Sommerlektüre.

Gustav Förster


Bibliographie

Sommer ohne Plan