Ein Ort. Ein Sommertag. Ein Schwimmbad als Romanfigur und Mittelpunkt einer Sommergeschichte. Die Geschichte eines Tages, Porträt sommerlicher Normalität, spielt in Ottersweiler im Hessischen. Sie könnte aber auch woanders spielen, irgendwo im Überall. Das Schwimmbad als zeitloser Sehnsuchtsort und Mittelpunkt des Sommers, Paradies der Vergangenheit. Hier trifft man sich. Sie wird von Arno Frank fast beiläufig erzählt, ohne großen Knall, mit Protagonisten, die ein Eigenleben entwickeln und vom Autor eigentlich nur arrangiert werden. Da ist Kiontke, in die Jahre gekommener schwergewichtiger Bademeister, über ihn wurde viel geredet als damals die Geschichte passierte. Renate, die kettenrauchende Kassenfrau seit fast 30 Jahren. Eine längst pensionierte Lateinlehrerin, Isobel Trautheimer. Melanie, die Erzieherin mit ihrer Kindergruppe. Eine Schülerin, mit kurzgeschorenen Haaren, Und ihr Bruder. Und Lennart, erfolgreicher Filmemacher, gerade aus den USA zurückgekehrt in den Ort seiner Kindheit, wo sich anscheinend nichts verändert hat. Sie alle bilden einen Mikrokosmos von Nebenrollen, neben dem etwas aus der Zeit gefallenen Freibad ohne Spaßelemente, dessen Tage offensichtlich gezählt sind, glaubt der Gemeinderat doch nicht mehr an seine Zukunft. Das einzige Besondere an ihm ist der Sprungturm mit dem Siebener, eigentlich Siebeneinhalber, der gesperrt ist seit ein junger Mann gesprungen ist obwohl das Wasser abgelassen war. Und dann ist da die Herausforderung Seemann, ein riskanter Kopfsprung mit den Händen auf dem Rücken, erst vom Dreier, dann vom Fünfer, und schließlich auch vom Siebener, der eigentlich geschlossen sein sollte.
Der leicht geschriebene Roman eines Sommertages und von Lebenswegen, die sich zufällig kreuzen. Und von Mutproben. Die Protagonisten sind authentisch, sind eher unangepasst, haben ihre Macken und alltäglichen Probleme. Es ist der zweite Roman von Arno Frank, freier Journalist für Spiegel, TAZ und Deutschlandfunk. Leicht erzählte Sommerlektüre, ein „Juwel der Gegenwartsliteratur“ wie der NDR meinte.
Gustav Förster