Heikki Leskinen ist ein fast legendärer Bärenjäger in den finnischen Wäldern. Ein Outsider, Outlaw, der seine 7 Töchter, zwischen 12 und 20 Jahre alt, immer wieder vor Zivilisation und Staat warnt und von allem fernhält was an den verachteten Staat, seine Institutionen und Vertreter erinnert. Das Leben besteht aus der Jagd, Fischfang und Schnaps. Die Mutter, Louhi, spielt eine Rolle als Gebärerin der Kinder und Dienstmagd, die ihn versorgt und die Jagdbeute aufbereitet. Sie flüchtet sich in den Glauben. Die älteste Tochter Johanna, die ihn vorbehaltlos verehrt, vergöttert, baut er zu seiner Nachfolgerin auf. Nach seinem Tod auf der Bärenjagd und auch dem Tod der Mutter stehen die jungen Frauen alleine da und finden einen unbeholfenen Brief ihres Vaters, in dem er sie, seine „Kriegerinnen“, noch einmal eindringlich vor der Zivilisation warnt und auf eine Hütte im Wald verweist, wo sie frei von allen Zwängen ihr Reich errichten können, Herrscherinnen sein werden. Also ziehen sie unter Johannas Anleitung in die Hütte und versuchen dort im Sinne ihres Vaters von dem zu leben, was der Wald ihnen bietet. Hin und wieder gehen sie zum Markt, um dort Fleisch und Felle zu verkaufen und vom Erlös das Nötigste, vor allem aber Schnaps und Zigaretten, zu erwerben.
Es ist kein Aussteigerroman, der hier vor mir liegt. Auch keine Zivilisationskritik. Es ist ein harter Roman über die Töchter eines einen Mannes, der gar nicht auszusteigen brauchte, weil er war nie Teil der Gesellschaft war. Über 7 junge Frauen, rebellisch, unsympathisch, aber doch irgendwie liebenswert, lebenshungrig, die mit einem Versprechen von Freiheit aufwachsen. Einer Freiheit die aus jagen, saufen, rauchen, prügeln besteht. Und die, so unterschiedlich sie auch sind, unter der Führung von Johanna versuchen, das Leben des Vaters weiter zu leben. In einer lebensfeindlichen Wildnis, die sie vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Gegen die Gesellschaft, die ihr vermeintlicher Feind ist. Ein harter Winter mit eisiger Kälte und Hunger stellt die kleine Gemeinschaft auf die entscheidende Probe.
Dieser Roman, in Schweden auf der Shortlist des renommiertesten Literaturpreises, ist keine leichte Unterhaltung, Er ist inhaltliche und sprachliche Herausforderung an uns Leser, vor allem die Sprache der Schwestern, die hart, manchmal auch vulgär ist. Eine Herausforderung wie das Leben der Schwestern. Es ist ein lang nachwirkender Roman über eine wilde Natur und sieben wilde Schwestern. Auf den man sich einlassen muss, der dann aber einen Sog entwickelt, dem kaum zu entkommen ist. Wie geht es weiter mit den sieben Schwestern in ihrem Leben mit und gegen die Natur und dem Versprechen des freien Lebens jenseits der Zivilisation? Nature-Writing auf die direkteste Art.
Gustav Förster