Eigentlich kennt man Sherlock Holmes nicht ohne seinen treuen Begleiter Dr. Watson. Nun aber, im Winter 1888 / 1889, ist er auf private Einladung nach Bremen gekommen und wohnt in einem kleinen Haus im Schnoor. Als in einer nahen Spelunke in einem Zimmer, das anderen Zwecken dient, der Fischer Friedhelm Beck tot aufgefunden wird, dauert es nicht lange bis Holmes sich mit diesem Fall beschäftigt. Die Rolle seines Begleiters übernimmt dabei der junge Apotheker Johannes Hellman, ein Nachbar von Holmes. Im Laufe ihrer Ermittlungen, in dem auch weitere Verbrechen geschehen, tauchen die beiden tief in die dunklen Seiten der Hansestadt mit ihren großen sozialen Gegensätzen ein; Armut, Prostitution und sogar Sklavenhandel.
Mit ihrem Roman schafft Karina Skwirblies, die als Journalistin arbeitet und Literatur- und Theaterwissenschaften studierte, eine gelungene Mischung aus Historischem- und Kriminalroman. Das sie, seit ihrer Jugend Sherlock-Holmes-Fan, dabei auf die Figur Sherlock Holmes zurückgreift ist nicht ungewöhnlich, hat der Meisterdetektiv doch schon mehrfach in Deutschland ermittelt. Sie führt uns Leser mit viel Lokalkolorit und Beschreibung des historischen Bremens tief in die dunklen, engen Gassen des Schnoorviertels, mit den sozialen Spannungen der reichen Hansestadt. Die Sorgen und Nöte der armen Bevölkerung, Handwerker, Fischer, Hafenarbeiter, Prostituierte, und der Dünkel des Bürgertums andererseits. Geschickt würzt sie ihren Roman dabei mit einer kleinen zärtlichen Liebesgeschichte. Der Schauplatz Schnoor ist dabei gut gewählt und führt uns beim Lesen tief in die dunkle Atmosphäre der engen Gassen, die wir abends, wenn der Andrang der Besucher abebbt, jederzeit nachvollziehen können. Karina Skwirblies wird ihren Roman auf der 1. Ganderkeseer Glühweinlesung am 8. Dezember in Ganderkesee vorstellen. Atmosphärische Spannung ist gewährleistet.
Gustav Förster