Eindrucksvoll erzählte Fremde
1949 landen 300 junge Frauen aus Deutschland in Island, die „Esja-Frauen“, benannt nach dem Dampfer der sie gebracht hat. Sie sind alle einem Aufruf des isländischen Bauernverbandes gefolgt der sie als Arbeitskräfte angeworben hatte, spätere Heirat nicht ausgeschlossen. Eher sogar erwünscht waren doch viele junge Isländerinnen nach dem Krieg den abziehenden Gis gefolgt. Unter den Frauen befindet sich auch Elsa. 4 Jahre, 4 Monate und 23 Tage ist sie unterwegs gewesen, traumatisiert, sprachlos und voller Trauer um ihre Freundin Sola, deren Mantel sie trägt. Von der mitreisenden Gerda verabschiedet sie sich mit einem wortlosen Nicken als diese sagt „Ich schreibe dir….Und du schreibst mir auch, ja?“ Und noch bevor sie mit dem Knecht der sie mit einem Boot abgeholt hat ihr Ziel erreicht, möchte sie eigentlich schon wieder umkehren. Im Nordwesten Islands kommt sie auf einen einsamen Bauernhof, ein grasbewachsene Hügel mit Wellblechfront in einer kargen Landschaft, 140 Schafe, 2 Kühe, 10 Pferde. Gräser, Moose, Sträucher, dunkles und helles Grün, Schwarz und Grau, durchzogen von Bächen, im Hintergrund Berge, darüber der unendliche Himmel. Elsa kann kein isländisch, die Familie, Bauer, Bäuerin, zwei Söhne in Elsas Alter, ein Knecht kann kein Deutsch. Es herrscht Sprachlosigkeit. Auch über die verschwundene Tochter, Steinunn Jonsdottir. Eigentlich ist Elsa gekommen um zu arbeiten, nicht um zu bleiben. Von Landwirtschaft hat sie keine Ahnung, reiten kann sie nicht, Hühner machen ihr regelrecht Angst. Aber sie gewöhnt sich an den von Natur und Jahreszeiten bestimmten Rhythmus des Lebens in seiner bescheidenen Fülle. Sie, die nicht gekommen ist um zu bleiben, bleibt dann doch, überwindet Fremdheit und Sprachlosigkeit.
Der Roman „Moosland“ ist ein dichtes, ruhiges Buch über ein Frauenschicksal und eine vergessene Zeit. Es ist darüber hinaus aber auch eine Geschichte in der die isländische Landschaft mit ihrer kargen, märchenhaft-mystischen Schönheit eine tragende Rolle spielt. Eine Landschaft jenseits der Geysire, Vulkane, Blauer Lagune der Touristikprospekte. Es ist ein intensiv und bewegend erzählter Roman über Schweigen, Sprachlosigkeit, über Ankommen und Bleiben in einer völlig fremden Welt mit anderer Sprache, anderen Gewohnheiten. Fremde, die zur Heimat wird. Heimat ist dort wo man, wo Elsa, zu sich selber findet.