Es ist am frühen Morgen von Livs, Dr. Olivia Bentele, 50. Geburtstag. Noch vor ihrem ersten Kaffee klingelt es an der Tür. „Happy Birthday, Liv“? Stattdessen steht ein durchaus attraktiver Mann mit braunen Augen, Dreitagebart und schwarzem Cape vor ihr. Über der Schulter trägt er eine Sense. Eine Mischung zwischen Zigeunerbaron und Dracula, wie Liv ihn beschreibt. Vielleicht ein Stripper, den ihre Freundin Conny als Geburtstagsüberraschung vorbei geschickt hat? Aber der Fremde hat sich offensichtlich nur in der Tür geirrt, fragt er doch nach Frau Keller, mit der er verabredet sei. Er findet Olivia und auch ihren Beruf, Psychologin, zwar interessant, nimmt auch ihre Karte, kommt ihrer Einladung doch einzutreten aber nicht nach, die Verabredung mit Frau Keller ließe ihm keine Zeit. Später wird Frau Keller dann mit einem Lächeln auf den Lippen tot in ihrer Wohnung zwei Stockwerke höher aufgefunden. In der Folgezeit häufen sich die Begegnungen von Liv und dem Fremden. Zufällig? Er nennt sich Zino und behauptet er sei Thanatos, der griechische Gott des sanften Todes. Olivia hält ihn für einen Neurotiker mit Todessehnsucht, aber überall wo und wann er unverhofft auftaucht sterben Menschen.
„Jetzt ist Sense“ ist ein leicht und flüssig geschriebener humorvoller und hintergründiger Roman um ein ernstes und allgegenwärtiges gesellschaftliches Thema. Eine philosophische Komödie, die zum Nachdenken anregt. Sie beginnt locker und nimmt im Laufe der Erzählung an Spannung zu. Nach und nach stellt sich herausstellt, Thanatos leidet nach Jahrhunderten seiner Arbeit an Burnout, und könnte sich vielleicht doch nicht in der Tür geirrt haben. Schräge, lockere Unterhaltung, mit Hintergrund authentischen Charakteren, etwas verrückt, nachdenklich, entspannend. Schon der Buchdeckel, der an ein Bild von Edward Hopper erinnert, animiert den Roman in die Hand zu nehmen und zu lesen.
Gustav Förster