Simon Bradley studiert in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Berlin Physik. Er verliebt sich in die junge Kommilitonin Hedi, Hedwig von Treyden, die Mathematik studiert. Während seines Studiums wird er vom britischen Geheimdienst angeworben. Ein tragischer Vorfall mit dem Tod eines russischen Kommilitonen beendet seinen Aufenthalt in Berlin ebenso wie seine Liebe zu Hedi. Mit dem Geheimdienst möchte er nichts mehr zu tun haben. Doch Jahre später während des Weltkrieges erinnert man sich dort an ihn und er wird vom Geheimdienst reaktiviert in dessen Fokus nach der Flucht von Hess nach England die Raketen- und Atomforschung der Nazis gerückt ist. Mit Hilfe aller zur Verfügung stehenden Aufklärungstechniken und -verfahren soll er herausfinden, wie weit diese Entwicklungen fortgeschritten sind. Für ihn auch eine Gelegenheit vielleicht sogar Hedi wieder zu finden. Der vermutet sie als Mathematikerin in Diensten der Nazis. Die Spurensuche führt ihn nach der Landung der Alliierten in der Normandie bis in die unterirdischen Produktionsstätten der „Wunderwaffen“ in Thüringen wohin die Nazis nach der Bombardierung von Peenemünde die Produktionen verlegt hatten. Wo tausende von Zwangsarbeitern unter erbärmlichen Bedingungen die „Vergeltungswaffen“ montierten. Und anschließend auch nach einer Verfolgungsjagd bis in die Berge der Alpen zu den letzten Bastionen des Regimes. Aber auch die Geheimdienste der verbündeten Russen und Amerikaner sind an den Forschungen der Wissenschaftler und Ingenieure interessiert, haben sich auf deren Spuren gesetzt.
„ATOM“ von Steffen Kopetzky, Autor von Romanen, Erzählungen, Hörspielen und Theaterstücken, ist ein gut recherchierter, spannender Spionagethriller um die Jagd nach der Bombe, deren Entwicklung in Nazideutschland offensichtlich erschreckend weit fortgeschritten war. Eine Jagd bei der die Geheimdienste der Alliierten, Britten, Amerikaner, Russen durchaus auch gegeneinander arbeiteten. Lug, Trug, Verrat. Bewusste Desinformationen. Jeder spielt sein Spielchen. Ein Wettlauf um die besten Köpfe und Informationen, der später in den kalten Krieg mündete. Der Autor verwebt dabei gekonnt die erfundene Rahmenhandlung mit authentischen Ereignissen und Personen, wie z.B. dem bis heute mysteriösen Phantomhaften Hans Kammler, Hitlers „Geheimwaffenchef“. Eine Geschichte, spannend bis zum Schluss, manchmal fast eher Wissenschafts- als Agententhriller und immer begleitet mit Simon Bradleys Suche nach Hedi und der Antwort, was damals in Berlin geschehen ist.
Gustav Förster