„Ich strecke mich zur Erde – in das Heim, in die Nähe der Menschen, die mich halten, mit mir lachen, mir zeigen, wie Freiheit und Leben schmeckt“

Yared Dibaba, Moderator, Schauspieler, Sänger, Entertainer, Diversity-Trainer mit Hummeln im Mors, neugierig, rastlos und motiviert ist mehr, viel mehr als der nette Plattdüütsch-Schnacker aus Falkenburg der in seiner Karriere oft die Rolle des „Schwarzen“ angeboten bekam. Er ist das Ergebnis einer Reise, die ihn als er als 4 Jahre alt war von der Sonne Afrikas ins kalte Norddeutschland führte: fast zwei Dutzend Umzüge, 2 Kontinente, 3 Länder und 10 Städte. Über diese Reise hat er nun ein Buch geschrieben. Geboren wurde er in Oromiya im Süden Äthiopiens, dort wo auch die Gebeine von Lucy gefunden wurden, dem Millionen Jahre alte Zeugnis menschlicher Entwicklung Benannt wurde er nah dem heiligen Yared, dem Vater der äthiopischen Kirchenmusik. Seine Eltern waren die „perfekten“ Flüchtlinge, hatten eine Ausbildung, sprachen Deutsch. Und sie hatten die feinen Züge der Ostafrikaner, keine breiten Nasen, keine dicken Lippen, waren im europäischen Sinn die „schönsten Afrikaner“. Nur, sie waren schwarz. So musste er auf seinem Weg auch Diskriminierung, Alltagsrassismus erfahren, z.B. als er, der bekannte Moderator, auf den Parkplatz fürs Küchenpersonal geschickt wurde, als die eben noch freie Wohnung urplötzlich urplötzlich doch nicht mehr frei war. Über diese Erfahrungen spricht er, denn werden sie verschwiegen sind sie zwar unsichtbar aber doch noch da. Er schreibt über seine Identitäten, über deren Summe aus Heimaten, Sprachen, Kulturen. Die seiner Frau, seiner Kinder, Oromo-deutsch-portugiesisch, „die ganze Ladung“, den „herrlich bunten Mix, das lebendige Mosaik aus Unterschieden“. Sein Buch ist eine humorvolle, warmherzige Einladung zum Dialog. Und ein Apell für Chancengerechtigkeit statt Chancengleichheit von einem, der auf beiden Stühlen sitzt statt zischen ihnen. Der für „zusammen statt entweder – oder“ plädiert. „Vielfalt schmeckt: erst die Mischung aus aller Welt ergibt ein einzigartiges Aroma, reicher, intensiver und überraschend“. Es ist ein Buch über Gerechtigkeit, Vielfalt, Klischees, Vorurteile, Stereotypen, von einem, der sich selber „Inkompetenz-Kompetenz“ bescheinigt. Ich habe es gerne gelesen und mit vielen Lesezeichen versehen!

Gustav Förster


Bibliographie

Ich bin da! Wer noch?