„Bremsen quietschen. Der Aufprall von Körper auf Metall. Mein Schrei. Mein Herz. So laut, So laut, So laut. Dann folgt Stille“
Der Roman HERZKLANGSTILLE von Julia Dessalles beginnt mit einem Autounfall bei dem Cole miterleben muss, wie sein Zwillingsbruder stirbt als er gerade einem Mädchen einen Liebesbrief gibt. Gerade noch hat Cole gedacht, hoffentlich nimmt sie ihn nicht. Dann wechselt der Roman zu June. Sie ist Außenseiterin und trägt seit dem Tod ihrer Mutter nur noch schwarz. June lebt mit ihrem Vater einem kleinen Cottage mit einem verwilderten Garten in den ihr Vater eine Telefonzelle gestellt hat, Dorthin zieht sich June in ihrer Trauer zurück und telefoniert mit ihrer Mutter, schildert ihre Sorgen und Nöte, ihre kleinen Freuden, ihre Enttäuschungen. Vom ersten Telefonat, 105 Tage nach dem Tod der Mutter, vergehen 4514 Tage bis zu einem Telefonat, in dem sie ihren ersten Liebeskummer schildert. Da meldet sich auf einmal eine Stimme aus dem Telefon, das an keine Leitung angeschlossen ist. Ein Junge sagt „Dieser Ryan ist ein verdammtes Arschloch“. Zuerst ist sie irritiert. Doch dann beginnt sie doch mit diesem Jungen, Lucas, zu telefonieren, wartet sogar darauf, dass er sich meldet. Als sie an der Bushaltestelle auf den Schulbus wartet, trifft sie auf einen Jungen im Kapuzenpullover, der sie zuerst hasserfüllt anstarrt und dann flieht. Cole. Auch er trauert. Er sucht den Schuldigen oder die Schuldige am Tod seines Bruders. Bei seiner Flucht hat er einen Comic vergessen, den June ihm zurückbringen möchte. So lernen sie sich kennen und die Geschichte wird von der Autorin in der Folge abwechselnd aus der Sichtweise der Beiden erzählt, immer begleitet von Junes Telefonaten mit Lucas. Als June und Cole sich näherkommen, tritt eine erschreckende Verbindung zwischen den Beiden zutage.
HERZKLANGSTILLE ist ein gelungener Roman über Trauerarbeit, über Verlust und den unterschiedlichen Umgang damit. June, die sich zurückzieht, Cole der eher aggressiv reagiert. Es ist eine berührende, emotionale Geschichte, eine Reise in das Seelenleben von zwei jungen Menschen, die auf unterschiedliche Weise ihre Trauer überwinden. June und Cole sind absolut authentisch, man fühlt beim Lesen mit ihnen. Und auch die Nebenfiguren, wie z.B. Junes Vater, Coles Familie, sind gelungen. Auf der der einen Seite ist es eine Liebesgeschichte, aber dann doch viel mehr. Tiefgründig, ergreifend, manchmal auch geheimnisvoll. Anklänge von Mystery. Es ist ein absolut schönes und empfehlenswertes Buch für Leserinnen und Leser ab 14 Jahren und drüber! Schon die Aufmachung mit einem ansprechenden Titelbild und schönen Farbschnitt lädt ein, es in die Hand zu nehmen und zu lesen.
Gustav Förster