Lieblingsbuch der Schweizer Buchhändlerinnen und Buchhändler
Hannes und Polina wachsen wie Geschwister gemeinsam und in inniger Freundschaft verbunden in der einsamen alten Villa des schrulligen Heinrich Hildebrandt im Moor auf. Hildebrandt war früher bekannter Musiker, trinkt zu viel und kann Kinder eigentlich nicht ausstehen. Hannes ist das Kind von Fritzi Prager, das „wunderbarste Missgeschick“ das ihr auf einer Italienreise kurz vor ihrem Abitur passierte. Polina, auch ohne „ordentlichen Vater“, ist die Töchter von Günes, die Fritzi auf der Säuglingsstation kennen gelernt hat. Statt Jurastudium hat sich Fritz noch im Krankenhaus für das Muttersein entschieden und schlägt sich mit Putzjobs durch. Polina und Hannes genießen eine unbeschwerte Kindheit in absoluter Freiheit. Hannes, still und verschlossen, wirkt etwas zurückgeblieben, im Gegensatz zu Polina lernt er schlecht. An dem alten verstimmten Klavier von Hildebrandt offenbart sich jedoch seine musikalische Begabung. Er nimmt seine Umwelt in Tönen und Melodien wahr, hat das absolute Gehör. Mit 14 verliebt er sich in Polina und komponiert ihr eine Melodie. Kurz darauf stirbt Fritzi bei einem Unfall. Hannes sucht seinen Vater, einen Marmorhändler und zieht zu ihm. Die Wege von Polina und Hannes trennen sich. Der Vater versucht ihn zu fördern, aber nicht so wie es Hannes entspricht. Hannes, der das große Publikum scheut, verweigert sich der Karriere und wird nach einer Affäre mit einer Musikproduzentin Packer bei einem Unternehmen für Klaviertransporte. Bei einem dieser Transporte setzt er sich auf der Straße unbefangen an das Klavier und fängt in seine Welt der Töne versunken einfach an zu spielen. Ein zufälliger Passant filmt das und stellt das Video „Mover plays piano on the street and moves my heart” ins Netz. Es geht um Welt und Hannes wird berühmt. Aber er vermisst nur Polina und will sie finden. Die einzige Verbindung zu ihr ist die Melodie die er mit 14 Jahren für sie komponiert hat.
„FÜR POLINA“ ist eine melancholische Reise auf der Achterbahn der Gefühle und der Liebe. Eine wunderbare, märchenhafte Geschichte, die mit dem Klang der Sehnsucht die Liebe und die Kraft der Musik feiert. Eine Geschichte über Freundschaft, Verlust, Suchen, Trauer. In seinem poetischen Roman lässt Takis Würger uns Leser und Leserinnen seine Protagonisten begleiten, manchmal schmunzelnd, manchmal berührt. Es ist aber auch ein Buch über Hannes Mutter, Fritzi, über Mutterliebe. „Der Arzt bot ihr (Fritzi) an, mit ihr über alle Optionen zu sprechen. Er benutzte das Wort Missgeschick. Fritzi legte eine Hand auf ihren Bauchnabel…. und sagte leise: Herr Doktor, an Ihrer Stelle würde ich jetzt sehr vorsichtig sein“ (Seite 13)
Gustav Förster