Sechs Wochen sind Kato und Lev durch Europa gereist. Sechs gemeinsame Wochen nachdem sie Jahre getrennt verbracht hatten, ohne wirklich getrennt zu sein. Begonnen hatte die Reise mit einer einfachen Frage „Wann kommst du?“. Nun will Lev zurück in seine Heimat, nach Rumänien. Und auf einmal geht es ganz schnell. „Ich komme mit“ sagt Kato. Und Lev vergewissert sich „Wir reisen gemeinsam zurück?“. Und Kato sagt „Ja“, einfach nur „Ja“. An dieser Stelle mit Kapitel 9 unter der Überschrift „Es war. Und es war nicht“, der mündlichen Einleitung von Roma-Märchen beginnt die Reise zurück in die Vergangenheit von Kato und Lev. Eine Reise die auch zurück in die europäische, deutsch-rumänische, persönliche Geschichte der beiden Protagonisten führt. Durch die Jahrzehnte ihres gemeinsamen getrennten Weges. 9 Kapitel mit jeweils mehreren Jahren Unterbrechung bis zurück zu Kapitel 1 mit der Überschrift „Regenbogen, goldüberzogen, im Himmel ist ein seliger Mann der Regen vertreiben kann“, einem siebenbürgischer Kinderreim. Eine Rückwärtsreise durch mehr als 30 Jahre in das multiethnische Gemisch der Kindheit der Beiden als sich Kato und Ley auf Seite 200 kennen lernen. Ley nach einem Unfall ans Bett gefesselt und Kato, die Außenseiterin im Dorf, soll ihm beim Lernen helfen. Beide verlieben sich ineinander, werden durch die Wende getrennt, als Kato in den Westen geht, Straßenmalerin wird und Lev in Rumänien bleibt. Bis sie sich wiedertreffen, wiederfinden, die so richtig nie getrennt waren. Eine leicht erzählte Geschichte mit starken Bildern. Geprägt auch durch die eigenen Erfahrungen der Autorin, die aus Siebenbürgen stammt und heute als freie Autorin in Freiburg lebt. Eine Autorin, die mit ihrem Vorgängerroman „Unschärfe der Welt“ 2020 schon auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis gestanden hat. Ob ihr das mit „Lichtungen“ auch gelingt? Das ist eigentlich zu erwarten. Ein gelungener Roman, märchenhaft realistisch, manchmal melancholisch, sanft und poetisch erzählt. Kein Groll beim Rückblick auf das Ceausescu-Regime sondern Balsam auf die Wunden, die es gerissen hat. Und die des Umbruchs, als die Einen gingen und die Anderen blieben.
Gustav Förster