Eduard Brünhofer ist erfolgreicher Autor von Liebesromanen. Eher, er war es, denn er hat schon lange nichts Neues mehr geschrieben und ist auch seinem Verlag gegenüber in Verzug. Der Abgabetermin des neuen Romans ist verstrichen, der erhaltene Vorschuss ausgegeben. Und nun sitzt er im Zug von Wien nach München zu seinem Verlag und möchte eigentlich mit niemandem reden. Weder über seine Bücher noch über sich selbst. Eigentlich über nichts. Und in München wartet ein unangenehmes Gespräch auf ihn. Ihm schräg gegenüber im Abteil sitzt eine mittelalte Frau, Catrin Meyr, Therapeutin, ebenfalls auf dem Weg nach München. Vier Stunden gemeinsame Zugfahrt liegt vor ihnen. Eine zufällige Begegnung, bei der es, so hofft er, auch bleiben wird. Vielleicht kennt sie ihn und seine Bücher ja auch gar nicht. Aber ihr gelingt es, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Zuerst ganz unverbindlicher Small Talk. Später neugierig, ungeniert aufdringlich, indiskret verwickelt sie ihn in ein ungewolltes Gespräch übers Schreiben von Liebesromanen, über die Liebe, über Lang- und Kurzzeitbeziehungen, die Ehe mit seiner Frau Gina. Was als Plauderei begann endet in einem tiefgründigen Gespräch, das ihn und seine Sicht der Dinge, der Liebe vor allem in Bedrängnis bringt.
Zwei Menschen, offensichtlich zufällig in einem Abteil, 4 Stunden gemeinsame Zugfahrt, 4 Stunden kluger Dialog auf engem Raum. Alle, die schon einmal eine längere Zugfahrt gemacht haben, kennen diese Situation, zusammen mit Fremden in einem Abteil, misstrauisch, distanziert, sprich mich nicht an. Eine gekonnt geschriebene Geschichte. Kluge Dialoge unterbrochen von Gedanken, manchmal ganz anders gedacht als dann gesagt. Genau beobachtete Einblicke in das Seelenleben des Protagonisten. Und auch, vielleicht sogar besomders die Frage, was befähigt ihn eigentlich über die Liebe zu schreiben. Wobei es bis zum Ende spannend bleibt, wie es denn nun weitergeht mit dem Dialog, mit seiner unbeabsichtigten Selbstreflektion, mit der Bahnfahrt und was dann am Ende steht.
Gustav Förster