Suzu, eine 25 Jahre junge Japanerin, Außenseiterin mit abgebrochenem Studium lebt orientierungslos in der Großstadt mit der sie fremdelt. Sie ist kontaktscheu und lebt mit ihrem Hamster in einer kleinen Wohnung. Auf Datingportalen ist sie wie auch in ihrer letzten Beziehung gescheitert. Zu ihren Nachbarn hat sie wenig Kontakt, wechselt nur hin und wieder im Treppenhaus wenige Worte. Eigentlich möchte sie ihren Status „Alleinstehend mit Hamster“ umwandeln in „Vergeben mit Hamster“. Ihren Job als Aushilfskellnerin verliert sie, weil ihr Chef meint, sie habe zu wenig Charme. Sie lebt vom Angesparten, das täglich weniger wird. Da findet sie einen Job in der Firma von Herrn Sakai, einem kleinen Unternehmen, das als „Leichenfundort-Reinigungsteam“ mit dem japanischen Phänomen KODUKUSHI, dem „Einsamen Tod“, sein Geld verdient. Eine diskrete Arbeit, makaber, aber notwendig in einer Gesellschaft in der immer mehr Menschen vereinsamen, auch einsam sterben. Eine Gesellschaft, in der das Desinteresse an Mitmenschen zunimmt. In Japan vielleicht gegenwärtiger als anderen Ortes, aber durchaus in jeder verstädterten Gesellschaft latent vorhanden. Ein Job, für den man starke Nerven und vor Allem einen robusten Magen braucht. Herr Sakai macht dies, auch das typisch japanisch, mit Respekt vor den Toten, Empathie, Fingerspitzengefühl und Achtsamkeit. Er begegnet den Toten rücksichtsvoll und mit Taktgefühl. Nebenbei geht er mit seinen Mitarbeitern manchmal auch eine Suppe essen, etwas trinken. Und es gelingt ihm sogar das Suzu kollegialen Kontakt findet und auch zum  „Hanami“, dem Kirschblütenfest mitgeht.

Milena Michiko Flasar, österreichische Autorin mit japanischer Mutter erzählt diese Geschichte über Einsamkeit, ein großes Thema unserer Zeit, leichtfüßig, feinfühlig und optimistisch. Mit Figuren, die im Laufe der Geschichte immer sympathischer werden. Gleichzeitig erzählt sie uns viel über die japanische Gesellschaft und Lebensform, die uns manchmal merkwürdig erscheinen mag, ungewöhnlich, fremd. Ein Roman über das was bleibt. Und auch über Achtsamkeit. Und das allgegenwärtige Tabu-Thema Tod. Mit ihrem Roman „Ich nannte ihn Krawatte“ stand die Autorin 2012 bereits auf der Longlist zum deutschen Buchpreis.

Gustav Förster


Bibliographie

Ein Roman über Nachsicht, Umsicht und gegenseitige Achtung.