„Ich bin noch nie auf ein angenehmes Dasein aus gewesen in dem alles Schmerzhafte ausgetilgt worden ist ……. Ich will wissen, was mit mir und der Welt geschieht, auch wenn es noch so weh tut“. So lautet der Lebensgrundsatz von Elea, der Protagonistin in dem Roman „Die Nacht der alten Feuer“ von Hanna Meretoja. Elea hat Philosophie und Literatur studiert und sich letztendlich für die Literatur entschieden. Das Glück hat sie noch nie für den eigentlichen Sinn des Lebens gehalten, die Suche nach der Wahrheit war ihr immer wichtiger als ein unbeschwertes sorgenfreies Leben. Nun sitzt sie im Kreis mit Familie und engen Freunden am „alten Feuer“ und begeht mit Meeresgeschichten und Liedern den letzten Sommerabend am „Lebensfeuer“, ein Brauch, der sich von Finnland aus um die Ostsee verbreitet. Doch Elea möchte diesen Abend nicht nur feiern, sondern der Runde auch eine neue, unangenehme Wahrheit eröffnen, sie hat Brustkrebs.
430 prall gefüllte Seiten, die uns Leser und Leserinnen mitnehmen in das Seelenleben, nicht nur von Elea, sondern auch in das ihrer Verwandten und Freunde, die mit ihr ums Feuer sitzen, erzählen, zwischendurch in die Sauna gehen, im Meer baden. Eine tiefgründige Geschichte mit vielen philosophischen Gedanken, unterschiedlichen Aspekten und Betrachtungen, über die Beziehungen der Menschen untereinander, aus verschiedenen Blickwinkeln. Lea „ist froh das sie es gesagt hat, hier und jetzt, gesagt hat, hier und jetzt, das genügt. Noch nie hat sie sich so geliebt gefühlt. Wäre sie plötzlich gestorben …. hätte sie das nie erfahren dürfen. Wichtiges wäre ungesagt geblieben“ am Lichterband der Lebensfeuer am Abend der alten Feuer. Den Roman „Die Nacht der alten Feuer“ als kluges Buch zu bezeichnen wäre zu wenig. Es ist eine großartige Geschichte, die davon profitiert, dass sie zu Teilen autofiktional ist, dass die Autorin aus ihrem Beruf als Literaturwissenschaftlerin wie auch aus eigenen Erfahrungen schöpfen kann. „Manchmal ist das, was das Ende zu sein scheint der Anfang von etwas Neuem ….. Das Leben ist keine Geschichte mit eindeutigem Verlauf, sondern ein wirrer Strom, in dem sich trübe und klare Momente abwechseln“. Einfach großartig!
Gustav Förster