„Es war einmal ein kleiner Junge, der wurde in der Stadt Bombay geboren.“ Schlag Mitternacht. Am 15 August 1947. Sein Kommen wurde „respektvoll begrüßt“ als er genau in dem Moment „in die Welt purzelte“ als Indien seine Unabhängigkeit feierte. Vor dem Fenster Feuerwerk und jubelnde Menschenmassen. So beginnt Salman Rushdies 1981 im englischen Original erschienener Roman DIE MITTERNACHTSKINDER“, eine Geschichte Indiens im 20. Jahrhundert aus der Sicht des Ich Erzählers Saleem Sinai. Es sind genau 1001 Kinder, die in der Stunde der Unabhängigkeit geboren werden, alle mit einer besonderen Begabung, magischen Kräften. Und je näher ihre Geburt der  Mitternacht war, desto höher ihre Begabung. Und Saleem ist Schlag Mitternacht geboren. Gleichzeitig mit Shiva. Beide wurden bei Geburt vertauscht. Als Ich-Erzähler schildert der inzwischen 31 Jahre alte Saleem die Geschichte Indiens im 20. Jahrhundert und der Mitternachtskinder. Ergeht dabei zu seinem kasmirischen Großvater Asdam Aziz ins Jahr 1915 zurück, der im Ausland studiert und nach seiner Rückkehr als Arzt bei einer Untersuchung durch ein Loch im Laken seine zukünftige Frau kennen lernt. Von hier führt die Geschichte, eigentlich ein großes indisches Märchen, das Indira Gandhi gar nicht so gerne mochte Indiens, zur Befreiung von der Kolonialherrschaft und dem ausbrechenden  Krieg, der zur Teilung in das muslimische Pakistan, damals noch West- und Ost-Pakistan, und das hinduistische Indien führte, dem später ein Krieg folgte, der zur G Abspaltung von Bangladesch führte. Der Roman verführt uns Leser in einer Kopplung von Biografie des allwissenden Ich-Erzählers, Geschichte und Geschichten durch die Mythen  und Mysterien des Subkontinents, in die Dschungel Indiens, deren Schilderung einen Rezensenten zu der Beschreibung  „Das Dschungelbuch als Paranoia“ veranlasste und einen anderen zu der Bezeichnung „ein indischer Garcia Marquez“. Ein großer Roman, der den jungen Salman Rushdie als „Blechtrommler von Bombay“ (Spiegel) in die  Riege der potentiellen Nobelpreisanwärter katapultierte. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ehrt den Autoren, dessen Roman „Die Satanischen Verse“ ihm das Todesurteil iranischer Mullahs bescherte und dessen neuestes Buch „Victory City“ gerade erscheinen ist, in diesem Jahr mit dem Friedenspreis, der ihm im Oktober in der Frankfurter Paulskirche, der Wiege der ersten deutschen Verfassung, verliehen wird. Die Mitternachtskinder sind das Schlüsselwerk zu diesem großartigen Autoren

Gustav Förster!


Die Mitternachtskinder