Mathijs Deen: DIE LOTSIN, Mare Verlag, 23,00 € - Langform
Der Roman „Die Lotsin“ von Mathijs Deen ist der vierte Roman mit dem deutsch-holländischen Kommissar Liewe Cupido. Die Handlung beginnt auf Grönland, „dem kaputten Kühlelement der Erde“. Dr. Iona Grimstedt-Tauber, Mitarbeiterin an einem UN-Report, ist dort als Klimaforscherin und Glaziologin ohne Schutzkleidung in einem Schneesturm in ein „Whiteout“ geraten und hat die Orientierung verloren. Unterkühlt und mit Atemnot wird sie gefunden, sie ist depressiv und soll daher die Forschungsstation verlassen. Auf Island besteigt sie das Forschungsschiff Anthropocene, auf dem ihr Mann Offizier ist. Mit ihm soll sie nach Deutschland zurückkehren. Auf dem Schiff bezieht sie eine andere Kabine als ihr Mann und nimmt auch kaum Kontakt zu der Besatzung auf. Auf der Nordsee, kurz vor Helgoland verschwindet sie. Freiwillig? Über Bord geworfen? Nur ihre Stiefel stehen auf dem Arbeitsdeck. Die Ermittlung übernimmt Xander Rimbach, der Assistent von Liewe Cupido. Den ersten Verdacht, „Selbstmord“, verwirft er schnell und zieht dann auch Liewe Cupido zu Rate, der anschließend die Ermittlung in dem undurchsichtigen, verworrenen Fall übernimmt, bis er aus persönlichen Gründen das Schiff verlässt. Ein Fall, in dem ein großer Goudalaib ebenso eine Rolle spielt wie die Container auf dem Arbeitsdeck der Anthropocene. Und ein Fund im Netz eines Fischkutters der die Fischer verstummen lässt.
„Eine falsche Spur führt nicht vom Täter weg, sondern zu ihm hin“, so Mathijs Deen. Sein Roman „Die Lotsin“ ist ein spannender, gut lesbarer Krimi für Leser die eigentlich keine Krimis lesen wollen, von einem Autor, der eigentlich keine Krimis schreiben wollte. Der es aber auf Bitte seines Verlegers tat. Und es auch kann. Und wie! Die Fälle entstehen beim Schreiben und entwickeln dabei ihre Dynamik. Auch im vierten Fall von Liewe Cupido, der dieses Mal erst nach 100 Seiten in den Fall einbezogen wird, ist der Krimi eigentlich „nur“ das Bühnenbild, die Dekoration für einem Roman über Menschen. Es ist ein literarischer Krimi, rau, melancholisch mit viel persönlichem Touch. Wie seine drei Vorgänger absolut lesenswert.
Mathijs Deen, Journalist und Schriftsteller, hat mit Liewe Cupido. dem „Holländer“, einen unverwechselbaren kantigen, eigenbrötlerischen Ermittler geschaffen, der „in erster Linie nicht viel redet“, und dessen Fälle inzwischen auch als Serie verfilmt werden. Der Autor arbeitet inzwischen an dem fünften Fall, in dem er auch das Geheimnis um Liewes Vater lüften will, das uns Leser seit dem ersten Roman „Der Holländer“ begleitet.
Gustav Förster