Vier Wochen nach der Reichspogromnacht setzt Rachel Adler ihren sechsjährigen Sohn in den Zug, der ihn aus Wien Richtung England bringen soll, mit wenig mehr als seiner Geige. Wie viele der zehntausend anderen Kinder, die diesen Weg nehmen, wird Samuel seine Eltern nie wieder sehen. Bei Pflegeeltern aufwachsend, flüchtet er vor dem Erlebten in die Musik.
Über vierzig Jahre später verliert Leticia durch ein Massaker mit acht Jahren ihre Heimat und ihre Familie. Sie und ihr Vater überleben, weil Leticia ins Krankenhaus in der Stadt muss. Sie verlassen El Salvador, um in den USA ein neues Leben zu beginnen.
Knapp dreißig Jahre weiter: Die siebenjährige Anita flüchtet mit Ihrer Mutter vor der Gewalt. Auch sie kommen aus El Salvador. Sie werden an der Grenze in den USA abgefangen und getrennt. Anita flüchtet in eine Phantasiewelt. Trotz ihres jungen Alters begreift sie was passiert und versucht sich selbst Mut zuzusprechen: „Wir sind nicht verloren. Der Wind kennt meinen Namen. Alle wissen, wo wir sind.“
Nach und nach erfährt der Leser Einzelheiten aus den Leben der Protagonisten, die sich schließlich zu einem vollständigen Ganzen zusammenfügen.
Drei verschiedene Menschen, drei verschiedene Zeiten und doch drei so ähnliche Schicksale, die unmenschlicher kaum sein könnten, zunächst scheinbar zusammenhangslos, bald eng miteinander verwoben.
Isabel Allende gelingt es, drei verschiedene Generationen in Einklang zu bringen und Ihre Sprache und Gedanken auf wunderbare Weise darzustellen. Ein sehr bewegendes, politisches Buch, das nachdenklich stimmt.
Simone Kötter
Bibliographie