Longferry, ein abgelegener Fischerort irgendwo an der englischen Küste. Hier lebt der junge Krabbenfischer Thomas Flett mit seiner Mutter außerhalb der Dorfgemeinschaft. Seinen Vater, den früheren Dorflehrer, der seine damals erst 15.jährige Mutter geschwängert hat, hat er nie kennengelernt. Die Schule hat er abgebrochen und arbeitet nach einer alten, längst überholten Methode, die sein Großvater ihm beigebracht hat als Krabbenfischer. Bei Ebbe spannt er sein Pferd vor den Wagen und fährt ins Watt um für das Einkommen für sich und seine Mutter zu sorgen. Er kennt sich aus, weiß um die Gezeiten, die Priele, kennt jedes Senkloch. Viel bringt seine Arbeit nicht ein, es reicht zum Überleben. Mehr nicht. Heimlich hat er sich beigebracht Gitarre zu spielen und träumt davon, einmal in der Dorfkneipe aufzuspielen. Da taucht eines Tages Edgar Acheson, ein amerikanischer Regisseur auf. Und mit ihm ein Hauch der Welt außerhalb des Fischerdorfs. Er plant einen Film für den Longferry genau die richtige Kulisse sei. Thomas könne ihm sach- und ortskundig zu Seite stehen, vielleicht sogar einen Part übernehmen. Sie schließen Freundschaft und alles scheint für Thomas möglich zu sein. Bis sie eines Morgens bei Ebbe ins nebelige Watt aufbrechen
Der Roman „Der Krabbenfischer“ ist die eindringliche melancholische Geschichte des jungen Thomas Flett in den 60er-Jahren, behutsam aber durchaus kraftvoll erzählt. Knapp und eindrucksvoll schildert der Autor die karge Schönheit der Küstenlandschaft, den täglichen Kampf ums Überleben, die schwere Arbeit des Krabbenfischers, seine Hoffnungen ebenso wie seine Träume von einem anderen, selbstbestimmten Leben. Die klare Sprache des Autoren passt zur Landschaft, die Stimmung der Geschichte ist vom Coverbild perfekt eingefangen. Der Roman DER KRABBENFISCHER von Benjamin Woods, der manchen Rezensenten an den Schimmelreiter denken lies, stand absolut zu Recht auf der Longlist zum englischen Booker Prize und wurde auch für das Spiegelbuch des Jahres nominiert.
Gustav Förster