Oscar ist ein hochbegabtes Mathematikwunderkind, adliger, verhätschelter, umsorgter Liebling seiner Eltern. Mit autistischen Zügen hat er Freundschaften bislang nicht kennengelernt. Das Leben so richtig auch nicht. Jedes Hindernis wurde ihm aus dem Weg geräumt. Nun ist er, gerade 16 Jahre alter Überflieger, an seiner Wunschuni. Natürlich haben seine Eltern ihm eine angemessene Wohnung in Uni-Nähe besorgt. Nicht ohne Hausmeisterin. Studieren möchte er natürlich bei seinem Wunsch-Professor. Im Vorlesungssaal setzt sich Moni neben ihn. Ganz selbstverständlich. 50 Jahre alt. Grell geschminkt, blondiert, mit Vorlieben für Lippenstift und hohe Absätze macht sie eher den Eindruck einer Putzfrau die sich in der Tür geirrt hat. Sie hat eine Tochter, Püppi, die nichts geregelt kriegt, drei Enkel, mehrere Nebenjobs und möchte jetzt Mathematik studieren. Ausgerechnet das schwerste Fach. Einen besonders schlauen Eindruck macht sie nicht. Behauptet es auch nicht, schert sich auch nicht um ihre Wissenslücken. Irgendwie ein Fremdkörper im Vorlesungssaal auf den Oscar zuerst desinteressiert abweisend reagiert. Sie wird wohl schnell wieder verschwinden. Niemand weiß so recht, was sie eigentlich an der Uni will. Aber irgendwie scheint sie den Professor zu kennen. Als sei es selbstverständlich beginnt sie in den Vorlesungen mitzuschreiben, langsam in deutlicher Schrift. Lässt sich durch nichts beirren. Und beginnt nach und nach Oscar, den „Kleinen“ wie sie ihn beharrlich nennt, unter ihre Oma-Fittiche zu nehmen. Und wird im Laufe der Zeit zum Mittelpunkt der Uni, hält sogar einen Vortrag, völlig ohne Konzept. Bis ihre bildungsferne Familie erfährt womit sie ihre Zeit verbringt und sie bei Oscar einziehen muss.
Gustav Förster