1962, als Ruthie verschwand, war ihr Bruder Joe 6 Jahre alt. Er war der letzte, der die 4-jährige Ruthie gesehen hat. Da saß sie auf ihrem Lieblingsstein, einem der Steine, mit denen der Landbesitzer Mr. Ellis seine endlosen Felder an der Route 9 in Maine unterteilt hatte. Wie jeden Sommer war die Mi`kmag-Familie von Joe und Ruthie aus Nova Scotia in Kannada in die USA nach Maine gekommen, um als Erntehelfer auf den Blaubeerfeldern Geld zu verdienen. Und nun ist Ruthie verschwunden, Die Suche nach ihr verläuft ergebnislos. Die Polizei kümmert sich nicht. Ruthie i8st verschwunden, und bleibt verschwunden. 50 Jahre lang, in denen die Familie immer hofft, sie sei nicht tot, würde irgendwo leben. Und Joe sich Vorwürfe wegen ihres Verschwindens macht, an dem er sich die Schuld gibt. Und nun liegt er im Sterben als Mae ins Zimmer kommt „Joe, da ist jemand, der uns besuchen will. Und ich glaube wir haben einiges zu besprechen.“

Gleichzeitig mit Joe wächst irgendwo in Maine Norma als überbehütetes Kind in einer weißen Familie auf. Ihre etwas dunklere Hautfarbe wird mit einem italienischen Großvater erklärt. Babybilder von ihr gibt es nicht. Zwischen Norma und ihrer Helikoptermutter, die versucht, Norma von der Welt fern zu halten, herrschen Spannungen, Der Vater ist unterkühlt, distanziert. Verstörende Träume und Ahnungen, die in den Jahren zunehmen, lassen Norma vermuten, irgendetwas stimmt in ihrem Leben nicht.

Schnell ist bei Lektüre des Romandebuts von Amanda Peters, selbst Native-American der Mi`kmags, klar worauf die aus den wechselnden Perspektiven von Norma und Joe erzählte Geschichte hinausläuft. Aber das tut ihr überhaupt keinen Abbruch, sie ist spannend, bleibt es auch bis zur letzten Seite. Die Hoffnung auf ein Happy End der Geschichte, in Kanada ein Bestseller, begleitet die Leser vom Anfang bis zum Ende. Die Autorin erzählt ihre Familiengeschichte von Verlust, Liebe, Hoffnung, Lügen, Trauer und Vergebung, in der es auch, aber nicht vorrangig, um die Unterdrückung und Entwurzelung der indigenen Bevölkerung geht, leise, feinfühlig und zurückhaltend. Absolut lesenswert.

Gustav Förster


Bibliographie

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