„Juna hat ihre Krankheit verdient“ mit diesen Gedanken der 13-jährigen Martha beginnt der Debutroman von Cora Wucherer über zwei ungleiche Schwestern. Martha und ihre 17 Jahre alte Schwester Juna leben mit ihrem Vater in einer engen kleinen Wohnung. Die Mutter ist bei Marthas Geburt gestorben. Der überforderte Vater rackert sich als Krankenpfleger ab. Zwischen den Schwestern die sich ein kleines Zimmer teilen müssen herrscht angespanntes Schweigen. Martha fühlt sich gegenüber ihrer künstlerisch hochbegabten Schwester unbeachtet, zurückgesetzt, übersehen. Juna hat nur ein Ziel, sie möchte Malerin werden, möchte zur Kunstakademie. Aber Juna ist krank, sie hat das Usher-Syndrom, trägt bereits Hörgeräte und droht zunehmend zu erblinden. Taubblindheit. Ihr Traum droht zu platzen, statt Malerei zunehmende Dunkelheit, keine Farben mehr, kein Licht. Martha möchte aus dem Schatten ihrer Schwester heraustrete, vermisst Aufmerksamkeit, möchte arbeiten, eigenes Geld verdienen. Sie besorgt sich mit Junas Ausweis einen Aushilfsjob in einem Kino, lernt neue Leute kennen, die erste Liebe. Sie hat aber niemanden, um drüber zu reden. Und Juna will vor ihrer endgültigen Erblindung noch unbedingt ein Originalbild einer von ihr hochverehrten Malerin sehen, das in Schweden in einem Museum hängt. Und Martha macht ihr den Trip möglich, Heimlich ohne Wissen des Vaters machen sich die beiden Schwestern auf den Weg nach Malmö. Was als scheinbarer Raodtrip beginnt wird zu einer ungeahnten Herausforderung in deren Verlauf die Schwestern zusammenrücken, zueinander finden.
Cora Wucherer erzählt diese Geschichte ungleicher Schwestern die in einem Zimmer und doch in verschiedenen Welten leben aus den wechselnden Perspektiven von Martha und Juna. Das eigentlich schwere Thema, Junas Krankheit und Marthas Gefühl unbeachtet zu sein, erzählt sie authentisch, absolut nachvollziehbar und dabei durch und durch optimistisch. Ein berührender Roman über Selbstfindung, über Kunst, über Verlust und Trauer, über Träume. Und über Geschwisterliebe in all ihren Fassetten. Schon das eindrucksvolle Bild auf dem Buchcover zieht in die Geschichte. Eine Geschichte die glücklich macht (Elena Fischer).
Gustav Förster