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Fin de siecle

Tschechische Novellen und Erzählungen

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783421052513
Sprache: Deutsch
Umfang: 272 S.
Format (T/L/B): 2 x 17.5 x 11 cm
Einband: Leinen

Beschreibung

Fin de siècle, das ist in der tschechischen Literatur die Zeit von Zeyer, Karásek und Arbes, Lesehrad, Marten, Neruda und Theer. Höhenflüge der Empfindsamkeit und der nervösen Phantasie und Abgründe der Leidenschaft und des Mysteriösen finden in ungewöhnlich reicher Sprache kunstvollen Ausdruck in ihrer Dekadenzdichtung. Von den acht Texten des Bandes erscheinen fünf erstmals in deutscher Übersetzung.

Autorenportrait

Peter Demetz, 1922 in Prag geboren, wurde 1948 nach einem Germanistikstudium an der Karls-Universität Prag zum Dr.phil. promoviert und arbeitete von 1950-1952 als Redakteur bei Radio Freies Europa in München. 1953 wanderte er in die Vereinigten Staaten aus. Dort war er 1956-58 Dozent an der Yale-Universität in New Haven, ab 1962 ordentlicher Professor für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Yale-Universität, 1963-1969 ebenda Direktor des Fachbereichs Germanistik, von 1972 bis zur Emeritierung hatte er die "Sterling Professur" für Germanistik inne. Seit 1974 gehört Peter Demetz zu den ständigen Mitarbeitern des Literaturteils der FAZ. Zahlreiche Übersetzungen von tschechischer Prosa und Lyrik ins Deutsche. Für die "Tschechische Bibliothek" hat Peter Demetz für "Polemische Schriften" von Karel Havlíèek (2001) die Auswahl der Texte getroffen sowie das Nachwort geschrieben, für Milada Souèkovás Roman "Der unbekannte Mensch" (1999) hat er das Vorwort geschrieben. Die Bände Zikmund Winter, "Magister Kampanus" (2002) und Bohumil Hrabal, "Allzu laute Einsamkeit" (2003) sind jeweils mit einem Essay von Peter Demetz versehen. Übersetzungen von Hanna und Peter Demetz enthält der Band "Der Mensch auf der Landstraße" von Jan Eep (2003). Im August 2004 ist eine Sammlung von Novellen und Erzählungen des tschechischen "Fin de Siècle" erschienen, für die Peter Demetz als Herausgeber verantwortlich zeichnet.

Leseprobe

In der tschechischen Literatur dauert das Fin de siècle vierzig und mehr Jahre, wie anderswo in Europa, und es bedarf keiner formalistischen Vorurteile, um einzusehen, daß die Literaturen, ihre Sprachen, Formen und Interessen ihrem eigenen Rhythmus folgen, der zuzeiten, aber nicht immer, mit der Chronologie des Kalenders und der politischen Geschichte zusammenfällt. Die Schwierigkeit liegt darin, daß die Jahrhundertwende in der Literaturgeschichte Europas nur eine diffuse Bedeutung hat, und die liegt eher im Auge des Publikums als in der Ordnung der Bücher. Die Leserinnen und Leser jener Epoche stimmten darin überein, daß sich um die Wende des Jahrhunderts verschiedene Tendenzen bündelten, ob wir sie nun Dekadenz, Impressionismus, Symbolismus oder Sezession nennen und zwischen den Ideen der literarischen und der bildenden Künste hin- und herschwanken. Das ästhetische Ineinander der Jahrhundertwende wird durch gemeinsame Abneigungen charakterisiert, und es ist nicht originell zu behaupten, daß die damaligen Antipathien bürgerliche Lebens- und Bildungsformen betreffen, die rasch konsolidieren, ob in der Ringstraßen-Architekur in Wien oder in den karyati den geschmückten Zinshäusern der neuen Bourgeosie in Prag-Smichov, möglichst nahe am Moldau-Quai. Der Klassenkampf ist aber die Sache der Fin-de-siecle-Künstler nicht, die lieber ihre Distanz zu den Kommerzverhältnissen suchen, in der Philosophie Friedrich Nietzsches oder (in Prag) Ladislav Klimas, der Musik Richard Wagners, der Lyrik Baudelaires, in der katholischen Mystik oder in erlesener Chinoiserie. Das Fin de siècle will unabhängig und einzigartig sein, kann es aber nicht, weil es in einer Sprache schreiben muß, die nicht ganz die seine zu sein vermag. Die Jahrhundertwende verlangt nach einer ungewöhnlichen und überraschenden Verfeinerung, und der Grund, oder Abgrund, ihres Idioms ist das alte Romantische, das ihrer Bemühung, sich gegen die Realitäten des industriellen Zeitalters zu stemmen, immer weniger genügt. Der Schriftsteller bedarf einer Belesenheit und Übersetzungskunst, die ihm ein neues Sprachreservoir bildet und ihm oszillierende Farben und Nuancen zur Verfügung stellt, und der volkstümliche Harfenspieler, der in der elegischen Prosa von Jakub Arbes von Wirtshaus zu Wirtshaus zieht, ist eine längst anachronistische Figur. Der Meister der Sprache, der dem Fin de siècle einen neuen Horizont eröffnet, ist Jaroslav Vrchlicky, seit dem Jahre 1898 Professor der Weltliteratur an der Prager Tschechischen Universität, dessen Verdienst es ist, als Übersetzer eher denn als Dichter und Akademiker, jenen weltliterarischen Spielraum geöffnet zu haben, in dem eine jüngere Literatur zu atmen vermochte. Er war es, der Baudelaire, Leconte de Lisle und Rostand übersetzte, und mit ihnen Poe, Shelley, Whitman, Dante, Ariosto, Goethe und Schiller (um nur wenige zu nennen), und den Schriftstellern der mittleren und jungen Generation, die seit 1895 in der Moderni-Revue zu publizieren begannen, die Möglichkeiten der Sprache vor Augen und Empfinden führte. Als Übersetzer führte er sie in jene Landschaften, in welche sie dann reisten, in ihren Fiktionen oder in Wirklichkeit. In der Gesellschaft der Bratenröcke im Parkett des Nationaltheaters oder der Patrioten in den Biergärten war es nicht einfach, sich als rarer Dandy und Autor zu stilisieren, wie es das Fin de siècle forderte. Man war selbst Bürger- oder Patriziersohn, aber wenn die Familie, wie die Zeyers, einen gutgehenden Holzhandel (auf dem Boden des heutigen Hauptbahnhofes) betrieb, sagte man sich von Materialismus und Geschäft los (nicht von der Unterstützung durch die Familie), studierte hier und dort und unterrichtete als Tutor in Adelsfamilien in Deutschland und Rußland. Man distanzierte sich von der Familie, der Vater ein Elsässer, die Mutter eine deutsche Jüdin, und pflegte die tschechische Sprache, die man von einem liebevollen Kinderfräulein und den Mitstudenten gelernt hatte, reiste ruhelos durch ganz Europa, verfaßt Leseprobe

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