Slow Horses

Slough House ist der Ort, an den der MI5 seine Agenten schickt, die bei einem Einsatz so sehr versagt haben, dass sie eigentlich auch gefeuert werden könnten. Hierhin wird versetzt wer Probleme mit Alkoholismus hat, entschlüsselte Informationen in der Londoner U-Bahn hinterlässt oder King's Cross in einem nur als Übung dienenden Einsatz zum Schließen bringt. Jeder der Ex-Agenten, genannt Slow Horses, hegt immer noch ehrgeizige Träume, in das gelobte Land des Regent's Park zurückzukehren, obwohl allgemein bekannt ist, dass das noch keiner geschafft hat.
River Cartwright, der neuste Zuwachs des Slough Houses, fristet nun seinen Arbeitsalltag mit dem Durchsuchen von Müll und dem Transkribieren von Telefonaten, was seinen Stolz sehr verletzt. Er versteht sich weder mit seinem Boss, noch mit seinen Kollegen so richtig, was allerdings kein Problem im Arbeitsalltag ist, da die meisten Angestellten sich sowieso aus dem Weg gehen. Sie alle haben die Gerüchte über die Vergangenheit der anderen gehört und lassen es darauf beruhen.

So vergeht ein gutes halbes Jahr, bis die endlosen Tage langweiliger Arbeit im Slough House durch die Entführung eines jungen Briten pakistanischer Abstammung unterbrochen werden. Online taucht ein Videoclip auf, welcher das Opfer gefesselt und verhüllt zeigt. Die Drohung der Entführer: nach 72 Stunden soll der Junge live im Internet enthauptet werden.
River Cartwright sieht dies als eine Gelegenheit, seine Karriere im Geheimdienst wieder aufzunehmen, und mobilisiert die anderen Slow Horses sich ihm anzuschliessen. Es wird schnell klar, dass die Entführer Mitglieder einer obskuren rechtsextremen Gruppe britischer Nationalisten sind, die Identität des Opfers bleibt jedoch zunächst geheim.
Unauffällig versuchen die Slow Horses, sich bei den Ermittlungen zu involvieren, werden aber von ihren Vorgesetzten immer wieder blockiert. Dass ihr Interesse an dem Fall nicht willkommen ist wird schnell deutlich. Als River in seinem Büro im Slough House von einem maskierten Eindringling angegriffen wird, und sich dann auch noch herausstellt, dass ein ehemaliger Journalist, dessen Müll er wenige Wochen zuvor noch durchsucht hat, in den Fall verwickelt zu sein scheint, geraten die Ereignisse außer Kontrolle. Und auch in den Reihen der Top-Agenten des MI5 schein nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen...
Mick Herron verknüpft aktuelle Themen so gekonnt mit komplexen Charakteren, dass man das Buch kaum weglegen mag. Mit Korruption, Intrigen, Verfolgungsjagden und einer ordentlichen Dosis britischem Humor hat "Slow Horses" alles, was einen guten Spionageroman ausmacht und bleibt bis zur letzten Seite spannend.

Anna Marie Sauer
 

Herron, Mick
Diogenes Verlag AG
ISBN/EAN: 9783257070187
24,00 €