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Mord, Cidre und viel Kaffee an der Cotes des Legendes

In seinem 11. Bretagne-Krimi mit Kommissar Dupin lädt uns Jean-Luc Bannalec in den äußersten Norden der Bretagne ein, an die Küste der La Manche, die Cotes des Legendes. Es ist Oktober als Dupins Kollege Kadeg an den Aber Wrac`h reist, einen Fluss hoch oben an der sturmumtosten Küste. Seine 89-jährige Tante, die dort im ehemaligen Kloster Abbaye des Angers lebt, ist gestorben. Nicht ganz überraschend denn schon lange Zeit hatte sie Elstern als vermeintliche Vorzeichen ihres Ablebens wahrgenommen. Daher stellt eigentlich auch niemand den natürlichen Tod der alten Dame in Frage. Das ändert sich allerdings als Kadeg nachts auf dem weitläufigen Gelände des alten Klosters angegriffen und verletzt wird. Dupin ahnt einen Fall und begibt sich zum Ort des Geschehens. Er beginnt dort auf eigene Faust zu ermitteln, nicht unbedingt zur Freude der örtlichen Polizei. Ins Zentrum seiner Vermutungen rückt dabei schnell der Widerspruch zwischen Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung. Hobbyornithologen haben vermutlich eine ausgestorbene Vogelart, Riesenalke, entdeckt. Wenn sich das bestätigt, ist ein touristisches Projekt gefährdet.

Auch im 11. Fall des Coffein-Junkie Dupin verbindet der Autor gekonnt und geschickt Beschreibungen der bretonischen Landschaften und des Lebens dort mit einer sich fast nebenbei langsam entwickelnden perfekt ausgeklügelten Krimihandlung, die sich dabei nicht gradlinig entwickelt, sondern uns Leser voreilig zu falschen Schlüssen kommen lässt. Dabei entführt er uns in eine der entlegensten Gegenden der Bretagne, von der viele lediglich die Bilder des Leuchtturms La Vierge in den aufgewühlten Wellen des Atlantiks kennen und in die sich nur wenige Touristen verirren. Bislang? Denn das könnte sich nach diesem Roman durchaus ändern. Mehrere Leute haben scheinbar ein Motiv zu der Tat, die im Laufe des Krimis nicht die einzige bleibt. Offensichtlich sensationelle Vogelbeobachtungen führen in die eine Richtung, eine Cidrebrennerei in die andere. Unterbrochen wird die Handlung immer wieder von Dupins unvermeidlichen Kaffeepausen, detaillierten kulinarischen Beschreibungen und Schilderungen der atemberaubend rauen aber auch sonnenverwöhnten Landschaft am Finistere, dem Ende der Welt und seinen Legenden. Nicht umsonst wurde der Autor schon zum Botschafter der Bretagne ernannt. Ein spannendes sommerliches Lesevergnügen. Am Besten begleitet von einer Flasche Cidre, Salzbutterkaramell oder Galettes bretonnes, egal ob als Kecks oder Buchweizen-Crêpe.

Gustav Förster

Kommissar Dupins elfter Fall, Kommissar Dupin ermittelt 11
Einband: Paperback
EAN: 9783462054033
17,00 €inkl. MwSt.

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