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Mitgift

Ein Buch, das der Lektorin Glücksgefühle beschert, das ist der Roman „Mitgift“ von Henning Ahrens, der jetzt im Verlag Klett Cotta erschienen ist und der prompt unter den Nominierten der Longlist des deutschen Buchpreises 2021 gelandet ist.

Der Roman ist die sieben Generationen umfassende Geschichte einer niedersächsischen Bauernfamilie aus der Nähe von Peine. Sie beginnt 1962 als die Totenfrau Gerda in das Haus des Großbauern Wilhelm Leeb gerufen wird. Sie ist die Chronistin dieser Geschichte, die sie, die als Zugewanderte etwas außerhalb der dörflichen Gemeinschaft steht, von außen betrachtet. Sie war die Jugendliebe des Großbauern, der aber zu Gunsten einer großen Mitgift und weil Gerda nicht standesgemäß war, eine andere Frau heiratete. Käthe, aus einer Familie, die er eigentlich verachtete. Die aber hat den Hof zusammen mit seinem ebenfalls verachteten Sohn Wilhelm, er schlägt seiner Meinung nach zu sehr nach der Familie seiner Frau, gut durch den Weltkrieg gebracht, während der Bauer freiwillig als SA-Mann in die Ukraine ging, um dort als Herrenmensch und Landwirtschaftsführer das große Wort zu führen. Unbelehrbar war er nach dem Krieg aus der Gefangenschaft zurückgekehrt und hatte selbstherrlich und ohne die Arbeit der zuhause gebliebenen auch nur mit einem Wort zu würdigen, wieder die Regie auf dem Hof übernommen. Und nun sitzt er am Totenbett seines Sohnes, den Gerda gegen ihren eigentlichen Willen nun zurecht machen muss.

Die Mitgift ist in dieser, zeitlich hin und her springenden und dadurch spannenden Geschichte mehr als die Mitgift der ungeliebten Frau. Die Mitgift ist hier auch die Last von sieben Generationen Familiengeschichte, die in einen Vater-Sohn-Konflikt mit traumatischen Folgen mündet. Und noch mehr. Sie ist auch die unausgesprochene Belastung aus der Wechselwirkung der Familiengeschichte mit der deutschen Geschichte, die im Laufe der Erzählung immer mehr auseinander geblättert wird. Unter jeder Schichte kommt Neues zu Tage. Die Geschichte hinter der Geschichte, so wie die Puppe in der Puppe

Der 2016 auch schon mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnete Autor siedelt diese Geschichte vor seiner eigenen Geburt an und greift dabei auf auch seine eigene Familie und seinen Heimatort zurück. Dabei würzt er seine weit ausgreifende, nüchtern und trocken erzählte Familiensaga mit einigen skurrilen Episoden, wie z.B. bei der Ankunft amerikanischer Soldaten 1945 auf dem Hof. Ein Dorfroman und Familiengeschichte, wie sie nicht nur in Klein-Ilsede gefunden werden kann.

Gustav Förster

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783608984149
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