ich weiß, warum der gefangene Vogel singt

Eine Ikone der afroamerikanischen Literatur verspricht der Klappentext, Barak Obama nannte sie eine leidenschaftliche Freundin, sagenhafte Frau und brillante Autorin, James Baldwin setzte sie und ihr Buch an den Beginn einer neuen Ära. Sie alle sprachen von Maya Angelou (Marguerite Annie Johnson), der Verfasserin  des Buches „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“. Es ist der erste Teil der Autobiografie einer schwarzen Frau und Bürgerrechtlerin, in dem sie die ersten 16 Jahre ihres Lebens erzählt, mitreißend und schonungslos. „In Stamps war die Rassentrennung so total, dass die meisten schwarzen Kinder nicht wirklich wussten, wie Weiße aussahen. Sie wussten nur das sie anders waren, dass man sie fürchten musste…“. Dort, im Süden der USA, am Rande der Baumwollplantagen wachsen sie und ihr Bruder Bailey in den 30er-Jahren als ungewollte Kinder bei ihrer Oma, Momma genannt, in deren Krämerladen auf, der wohl einzigen schwarzen Frau, die in Stamps zur allgemeinen und lang anhaltenden Erheiterung einmal versehentlich von einem Richter „Missis“ genannt wurde. Ihre Mutter, deren Schönheit sie als umwerfend empfindet, lebt mit ihrem Freund woanders, ihren Vater lernt sie mit 7 Jahren kennen. Als 8-jährige wird sie vom Freund ihrer Mutter vergewaltigt, der droht Bailey zu töten, sollte sie ihn verraten. Später erlebt sie eine Aussteigerzeit auf einem Schrottplatz und mit ihrem Vater einen skurrilen Raodtrip nach Mexiko, geht nach San Franzisco wo sie zur ersten schwarzen Straßenbahnschaffnerin wird. Mit 16 Jahren zweifelt sie daran, ob sie lesbisch sei und wird bei ihrem ersten Versuch Sexualität zu erleben schwanger, lebt als alleinerziehende Mutter. Hier endet das ihrem Sohn gewidmete Buch.  Anschließend wird sie Tänzerin, Journalistin, Schauspielerin, Schriftstellerin und Lyrikerin. Und eben Bürgerrechtlerin

Es ist ein schonungsloses Bild der Realität des amerikanischen Rassismus ,  den viele mit der Wahl des ersten schwarzen Präsidenten der USA überwunden glaubten und der jetzt offensichtlich doch zurückkehrt. „Weiße Jugendliche“, so schreibt sie, „hatten die Chance Galileo und Madame Curie zu werden, unsere Jungs durften versuchen Jesse Owens und Joe Louis zu werden, die Mädchen waren ganz aus dem Spiel“. Für die gab es gleich mehrfache Unterdrückung, „ ein dreifaches Kreuzfeuer von Vorurteilen, des unlogischen weißen Hasses, der schwarzen Ohnmacht und des männlichen Chauvinismus“. All das erfährt sie am eigenen Leib bis hin zu der Aussage eines weißen Zahnarztes, es sei seine „Überzeugung , dass ich lieber einem dreckigen Köter die Hand ins Maul stecke als einem Nigger“. In der schwarzen Gemeinde erfährt sie aber auch die religiösen Entrückungen und Erweckungen vor dem Altar schwarzer Prediger, mit allen ihren skurrilen Begleiterscheinungen. Dabei wirft sie auch einen kritischen Blick auf ihre farbigen Mitmenschen mit ihrer Unterwürfigkeit und Angepasstheit. „Vermutlich waren wir eine Rasse von Masochisten, das härteste Leben war nicht nur unser Schicksal, es war unser Verlangen“. Sie wird Freundin und Vertraute von Martin Luther King und Malcolm X, wird für den Purlitzerpreis nominiert, schreibt ein Gedicht zur Amtseinführung von Bill Clinton, Nelson Mandela zitiert bei seiner Amtseinführung eins ihrer Gedichte. Mit der Neuveröffentlichung gibt der Suhrkamp Verlag Gelegenheit, Amerikas Volksdichterin, wie die FAZ sie einmal bezeichnete, neu zu entdecken. Genau zur richtigen Zeit!

Gustav Förster

Angelou, Maya
Suhrkamp
ISBN/EAN: 9783518468975
12,00 € (inkl. MwSt.)