Hope Hill Drive

Ödnis aus hartgebackener Erde, totes Gras, dazu ein paar hitzegeplagte Eukalyptusbäume. Das ist das Outback rund um Tiverton im einsamen, menschenarmen australischen Buschland, dem ländlichen Nichts nördlich von Adelaide. „Ganz schön viel Garnichts hier“  wäre die treffende Beschreibung. Hierher ist Paul Hirschhausen, Constable der South Australia Police, strafversetzt nachdem er gegen Kollegen ausgesagt hat. Als Dorfpolizist beschäftigt er sich mit häuslichen Streitereien, Trunkenheit am Steuer, kleineren Diebstählen, fährt in seinem alten Dienstwagen lange Streifen durch abgelegenes ausgedörrtes Schafsland. Unterbrochen wird dieser Alltag von einem Massaker mit aufgeschlitzten Ponys. Schnell sind dabei die üblichen Verdächtigen ausgemacht: Zwei Jugendlicheaus zerrütteten Familien, die sich aber schnell als unschuldig herausstellen. Der Alltag kehrt zurück und Tiverton verschwindet wieder aus den Nachrichten. Da wird Hirschhausen zu einem weiteren, vordergründig belanglosen Vorfall gerufen. Eine Frau hat während einer Besorgung ihr Kind in der Dezemberhitze allein im Auto zurückgelassen. Sie gibt, wie sich später herausstellt, einen falschen Namen an und hat plötzlich Hirschhausens Dienstwaffe in der Hand. Kurz darauf kursiert ein Video von diesem Vorfall im Netz. Und ein wenig später wird die Frau, wie sich herausstellt eine Polizistin im Zeugenschutz, mit einem Kind tot in einem einsamen Farmhaus in Hope Hill Drive gefunden. Zwei weitere Kinder sind verschwunden. Die grad abgereisten Fernsehteams sind schnell zurück und Ermittler aus Adelaide und Sydney kommen nach Tiverton, die auf den Dorfpolizisten herabblicken und meinen, ihn mit Hilfsarbeiten abspeisen zu können.

HOPE HILL DRIVE ist ein literarischer Krimi von einem vielfach ausgezeichneten Autor und der nach BITTER WASH ROAD zweite mit Paul Hirschhausen, der nach seiner Versetzung inzwischen in Tiverton angekommen und ins Dorfleben integriert ist.  Das Bühnenbild ist schon mit dem Einbandbild beschrieben, ein rot verrosteter Schuppen auf roter Erde, im Hintergrund spärliche Vegetation, Hope Hill Drive, keine Ortschaft, keine Anhöhe, dafür aber ganz wenig Hoffnung. Paul Hirschhausen als örtlicher „Kummerkastenpolizist“ (Frankfurter Rundschau), dem nichts Menschliches fremd ist. Vielfach mit menschlichen Unzulänglichkeiten beschäftigt ist er alles andere als ein Supercop. Eher Antiheld als Held. Im Gegensatz zu den großspurigen Ermittlern aus den Städten  klärt er seine Fälle mit Orts- und Menschenkenntnis. Der Krimi beginnt langsam, ist nüchtern geschrieben, genau beobachtet und  ohne Effekthascherei erzählt. Aus dem gemächlichen Alltag im Outback nimmt er stetig Fahrt auf und führt alle scheinbar unzusammenhängende Handlungsstränge konsequent und logisch zusammen bis Hirschhausen dem Mörder allein gegenübersteht. Die lakonischen Beschreibungen der kargen Landschaft rufen manchmal Bilder von Italo-Western wach.  Die handelnden Personen und die schlüssigen Ereignisse sind genau beschrieben und glaubwürdig dargestellt.

Nicht umsonst ist Gary Disher mit dem höchsten australischen Krimipreis ausgezeichnet. Ein großartiger Krimi aus einem Australien jenseits von Auswandererträumen.

Disher, Garry
Unionsverlag
ISBN/EAN: 9783293005631
22,00 € (inkl. MwSt.)