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Happy Green Family

An ihrem 15. Geburtstag erfährt Janey, dass sie entgegen der bisherigen Darstellung ihrer Mutter, einer Samenbankstory, doch einen leiblichen Vater hat. Kurz entschlossen setzt sie sich ein paar Tage später in einen Überlandbus und fährt zu ihrem Vater, der irgendwo im mittleren Westen der USA irgendwas auf irgendeinem Geflügelhof arbeitet und den Rest des Tages mit Fastfood vor dem Fernseher verbringt. Eigentlich möchte sie zu ihrer Mutter zurückkehren doch nach deren Tod bei einem Autounfall arrangiert sie sich notgedrungen mit der neuen Situation und bleibt endgültig bei ihrem Vater.

So beginnt die Autorin Deb Olin Unferth, Hühnerliebhaberin und -spezialistin, ihren Roman HAPPY GREEN FAMILY, eher eine humorvolle Groteske mit vielen genauen psychologischen und philosophischen Beobachtungen und Randnotizen, wie auch Informationen über Hühner und Hühnerleben, vor allem in Legebatterien.

Janey, jetzt Halbweise und in dauerndem Dialog mit der „anderen Janey“, der „Ostküsten-Janey“, die ganz anders, gesetzestreu, bei ihrer in Gedanken noch lebenden Mutter lebt, lernt in ihrem neuen Leben eine Betriebsprüferin von Hühnerfarmen kennen. Zusammen entwickeln sie eine abenteuerliche und eigentlich auch abstruse Idee. Sie planen zusammen mit militanten Tierrechtsaktivisten, einem gerade entlassenen Ermittlungschef bis hin zu der Tochter eines Hühnerfarmers in einer beispielhaften Aktion 900.000 Legehühner aus 7, oder sind`s doch eher 8, Legebatterien in die vermeintliche Freiheit entlassen. Sie möchten damit ihrem eigenen und dem Leben der Hühner eine positive Wende geben und die Welt, oder doch wenigstens einen Teil von ihr retten. Es folgt eine chaotische Befreiungsaktion mit fast 500 Teilnehmern und 60 LKWs. Der Roman dann in einer fernen Zukunft, als in einer menschenfreien Umwelt weiße Hühner die Wälder bevölkern, die nach vielen Zuchtgenerationen in einer Art Turboevolution alte Fähigkeiten aus der Zeit vor der Massentierhaltung zurückgewonnen haben.

Eine realistische Geschichte ist dieser flott geschriebene und genauso flott lesbare, in viele kurze zeitlich hin und her springende Kapitel unterteilte, mit viel Sachkenntnis angereicherter Roman sicherlich nicht. Er ist auch keine vegane Anklage der Agrarindustrie mit ihrer Massentierhaltung und unseres Verbraucherverhaltens, obwohl er das alles satirisch überspitzt aufs Korn nimmt. Es ist eine vergnügliche, kuriose Geschichte mit schrägen Figuren und einem Ende, das ganz anders verläuft als geplant. Denn nicht alle der an der Befreiungsaktion beteiligten halten sich an die Absprachen. Einfach ein Lesevergnügen bei dem die Geschichte filmreif vor unserem inneren Auge abläuft.

Gustav Förster

Quartbuch
Einband: Paperback
EAN: 9783803133441
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