Ein Mann der Kunst

Constantin Marx, Architekt, Ich-Erzähler in dem Roman EIN MANN DER KUNST des deutsch-isländischen Autors Kristof Magnusson ist Mitglied des Fördervereins des Frankfurter Wendevogel Museums. Seine Mutter Ingeborg, inzwischen etablierte 68-erin, deren Wohnung in jedes Lifestyle-Magazin passen würde, steht diesem hochmotivierten Verein vor. Man plant einen Wochenendtrip in den Rheingau zu dem weltberühmten Künstler K.D. Pratz, dem ein ganzer Anbau des Museums gewidmet werden soll. K.D. Pratz, berühmt auch durch seine menschenscheue Art, lebt seit Jahren in künstlerisch-genialer Weltabkehr absolut entrückt auf Burg Ernsteck, die er gekauft hat um anschließend hinter sich die Zugbrücke hochzuziehen. Er, der ab und zu nur noch durch Publikumsbeschimpfungen auf sich aufmerksam macht, für den Besucher eher Belagerer als Gäste sind, der bürgerliches Engagement für Kasperletheater privilegierter Langweiler hält, der seine Marotten und Neurosen auslebt, der meint, Kunst sei doch nur Wochenendspaß und das Endlager für das Geld von Leuten, die sich für kultiviert halten, soll seine Einsamkeit nun aufgeben um seinen Ruhm mit einem eigenen Museum zu mehren. Dass er dafür bereit sei, den Förderverein auf seiner Burg zu empfangen, ist fast unglaubhaft. Noch mehr, dass es wie angekündigt sogar zu einem Besuch im Atelier kommen soll. So scheint das Ganze auch immer wieder in Frage gestellt und ein Desaster vorprogrammiert zu sein.

In leichter Sprache, immer mit einem sarkastischen Unterton, schildert der Autor diesen Wochenendtrip, der dem einen oder anderen Mitreisenden schon mal waghalsig vorkommt. Mit einer Mischung von Respekt und Vermarktungsdrang, vor allem des Museumleiters Michael Neuhuber, einem ehemals aufstrebenden Stern der Kunstszene mit Karriereknick, erwartet der Verein Wohlverhalten des Künstlers. Der, andererseits, meint es gäbe gar keine Kunst mehr in einer Welt, in der jeder meint er sei ein Künstler nur weil er ein Handy bedienen kann. Der Roman ist ein mit spitzer Feder geschriebenes ironisches Buch über den Kunstbetrieb, humorvoll entlarvend über Missverständnisse, wenn z.B. beim Betreten der Burg schon mal die Frage entsteht,  ob die Plastikkiste mit Streusalz nicht in Wirklichkeit ein Kunstwerk sei. Beim Lesen fühlte ich mich hin und wieder an eine Vernissage erinnert, wo der Künstler sich im Hintergrund darüber amüsierte,  was er sich beim Malen angeblich alles gedacht habe. Es ist ein wunderbarer Roman über Kunst, das Geschäft mit der Kunst, Kunstfreunde und Künstler und den Menschen dahinter. Und darüber, dass Kunst nur aus ihrer Wirkung besteht, ihrer Präsentation, ihrer Rezeption. Man möchte ihn ohne Pause in einem Zuge durchlesen bis hin zum Ende am Rhein wo K.D. Pratz seine Berühmtheit noch einmal steigert.

Gustav Förster

Magnusson, Kristof
Verlag Antje Kunstmann GmbH
ISBN/EAN: 9783956143823
22,00 € (inkl. MwSt.)