Der schwarze Mozart

Ein biographischer Roman über Joseph de Bologne, dem späteren Chevalier de Saint-Georges. Als dieser war er ab seinem 19. Lebensjahr am Vorabend der französischen Revolution in Frankreich bekannt. Und nicht nur dort. Bekannt als Geigenvirtuose. Als Komponist. Als Fechtmeister. Als Freund von Laclos, dem Autoren der „Gefährlichen Liebschaften“ und von Alexandre Dumas, dem Vater des Autoren der „Drei Musketiere“. Und bekannt als Liebhaber, dem sogar amouröse Eskapaden mit Marie Antoinette nachgesagt wurden. Geboren wurde er 1945 in der Karibik als Sohn eines reichen Kaufmannes und Plantagenbesitzers und einer schwarzen Sklavin, Nanon. Als der Vater, George de Bologne, zum Tode verurteilt überstürzt die Karibik verlassen musste, nahm er nicht nur seine Ehefrau mit nach Frankreich, sondern auch seine Geliebte und den gemeinsamen 4-jährigen Sohn. Dort ließ er ihm die beste nur denkbare Ausbildung zukommen, die Joseph bald als Fechtmeister und virtuoser Musiker und Komponist bekannt und geschätzt werden ließ. Seine Hautfarbe als Mulatte war ihm dabei weniger Hindernis als eher Anreiz zu Fleiß und Ehrgeiz. Sie machte ihn vielleicht sogar eher interessant, nicht nur für Damenwelt. Nur einmal gedieh sie ihm zum Nachteil als er zum Direktor der Pariser Oper ernannt werden sollte, wo sich allerdings einige Sängerinnen weigerten, unter ihm, dem Mulatten, zu arbeiten. Sein Orchester war das seinerzeit größte in Paris. Seine Fähigkeiten als Fechtmeister und Musiker führten ihn bis nach England, sowohl zu Schaukämpfen wie auch zu Konzerten, bei denen er sogar einmal, wenigstens im Roman, der Prince of Wales besiegt haben soll. Als Musiker erfüllte er höchste Ansprüche, Werke wurden ihm gewidmet, Mozart soll von ihm beeinflusst worden sein. Seinen Werken wird nachgesagt sich kaum von denen Mozarts zu unterscheiden. Als Freimaurer war er in der Anti-Sklaverei-Bewegung aktiv, später geriet er dann in die Wirren der französischen Revolution,  wo er zeitweise ein Heer von über 1000 ausschließlich farbigen Soldaten aus den Kolonien befehligte. Während der „Schreckensherrschaft“ beim Wohlfahrtsausschuss denunziert,  kam er für mehrere Monate in den Kerker und starb 1799 verarmt, im Roman an Wundbrand nach einer Verletzung, in Wirklichkeit doch eher (laut Wikipedia) unspektakulär an einer unbehandelten Blasenentzündung. Heute ist er weitgehend unbekannt. Hier und da ist eine Straße, ein Platz nach ihm benannt, irgendwo steht, fast vergessen, ein Denkmal.

Eine Romanfigur, die man gar nicht erst zu erfinden braucht. Die aber auch besser gar nicht erfunden werden kann. Das illegitime Kind einer Sklavin steigt in die höchsten Pariser Kreise auf, bis in die Nähe des Hofes von Ludwig dem 16., wird Chevalier mit allen damit verbundenen Privilegien. Ein Leben wie ein Roman, das der niederländische Autor Jan Jacobs Mulder schriftstellerisch frei den sterbenden Chevalier de Saint-Georges auf 320 Seiten in Ich-Form erzählen lässt. Ein Leben, das ihn zu Ruhm und Reichtum geführt hat, das ihm aber trotzdem nicht erspart hat, auf der Straße schon mal als „schwarzer Affe“ beschimpft zu werden. Ein Leben, das verarmt endete, von dem aber, neben diesem Roman und einem gleichnamigen Film, einigen Filmen von Aufführungen seiner Stücke bei YouTube, wenigstens ein paar CDs geblieben sind, z.B.: „2 Concertos pur Violone“, Orchester  les Achats de Paris, erschienen beim Label Calliope,  „Violinkonzerte“, Cologne Chambers Orchester, erschienen bei Naxos und  „Violinkonzerte Vol. 2“, ebenfalls bei Naxos. Es lohnt sich zu lesen und zu hören.

Gustav Förster

Mulder, Jan Jacobs
Unionsverlag
ISBN/EAN: 9783293005358
22,00 €