Der grosse Wahn

Ein Roman der Erinnerungen.  Robert Hendricks, Psychiater und Autor in London, hat sich in seiner Einsamkeit eingerichtet. Eines Tages erhält er einen Brief aus Frankreich mit dem ihn der alte Neurologe Alexander Pereira zu sich einlädt, er habe wohl seinen Vater gekannt, an den Hendricks sich kaum erinnern kann wuchs er doch nach dem frühen Tod des Vaters bei seiner Mutter auf. Außerdem suche er, Pereira,  einen Nachlassverwalter. Nach anfänglichem Zögern kommt er dieser Einladung nach und besucht Pereira auf einer felsigen Insel vor der französischen Mittelmeerküste. Damit beginnt Hendricks Reise in die Vergangenheit mit ihren körperlichen und seelischen Verletzungen, die vaterlose Kindheit in England, die Erlebnisse und Verletzung in den Kriegsjahren, der Vater in ersten Weltkrieg wo er wohl in der gleichen Einheit wie Pereira war, er selber im zweiten. Vor allem aber seine wohl einzige große Liebe, die Italienerin „L“, die er während des Krieges kennen und lieben gelernt hatte. Der Krieg hatte sie zusammen geführt und auch wieder getrennt. Mehrmals besucht Hendricks in der Folgezeit Pereira bis er schließlich bereit ist, „L“ wieder zu sehen.

Anfangs war es ein wenig beschwerlich in diesen Roman rein zu kommen. Doch mit der Zeit wurde es einfacher, man gewöhnt sich an den Schreibstil, der manchen etwas altmodisch erscheinen mag, und an die Zeitsprünge in den Erinnerungen der beiden Hauptpersonen Hendricks und Pereira durch ein Jahrhundert der Kriege, der große Wahn, die Europa anscheinend brauchte um sich zu finden. Aber auch durch ein Jahrhundert Psychologie und Neurologie. Wobei die Erinnerungen Pereiras eher bruchstückhaft sind und eigentlich nur die Initialzündung für Hendricks Reise in die Vergangenheit sind. Einen Plot, einen Spannungsbogen gibt es nicht, in diesem stilistisch und sprachlich gut gelungenen Roman. Er braucht beides auch nicht, er wandert, flüssig erzählt, nachdenklich und doch ziellos durch die Erinnerungen, so wie unsere Gedanken es nun mal tun. „Das Leben eines Menschen besteht nicht aus dem, was geschehen ist, sondern aus seiner Erinnerung daran und der Art und Weise, wie er sich erinnert.“  Der Weg, in diesem Fall die Erinnerung, ist das Ziel.

Gustav Förster

Faulks, Sebastian
mareverlag GmbH & Co oHG
ISBN/EAN: 9783866482586
24,00 €