Das kann uns keiner nehmen

Der Kilimandscharo, das Sehnsuchtsziel vieler Afrikareisender, rätselhafter und launischer als andere Vulkane, in seinem Krater sind die Götter hungrig, es wird gestorben an diesem Berg. Ihn möchte Hans besteigen, Hamburger Schriftsteller, Ich-Erzähler, der seit Jahren nichts mehr geschrieben hat. Jedenfalls nicht fertig. Vor 25 Jahren hat er den Aufstieg schon mal versucht, mit Mara, er hat es damals nicht geschafft sondern nur mit letzter Lebenskraft ins zurück ins heimische Krankenhaus. Nun will er die damals angefangene Reise beenden. Ohne Mara. Im Krater trifft er Tscharli, ungehobelter Ur-Bayer. Ungeschliffen, fröhlich und übermütig.  Je mehr man über ihn erfährt desto rätselhafter wird er. Doch hinter seiner Fassade blitzt auch Angst und Verzweiflung auf. Es ist leicht ihn abzulehnen, trotzdem geht von ihm auch ein rätselhafter Charme aus, der in seinen Bann zieht.  Man lehnt ihn ab und möchte ihn doch nicht missen. Sein Leben bewegt sich zwischen Vollgas, Vollbremsung, Vollgas, ein Quartalssäufer aber kein Säufer nach seiner Selbsteinschätzung. Er möchte eine Reise beenden, die er vor Jahren begonnen hat, mit Kiki, die er auf dem Rücken durch halb Afrika getragen hat und der er vor ihrem Tod versprach, noch einmal ganz hoch zu steigen,  um ihr später „drüben“ davon zu erzählen. Nun hat er im Krater übernachtet, zum Missfallen der hungrigen Götter. Er ist totkrank.

Hier im Krater beginnt so eine Männerfreundschaft zwischen zwei ganz unterschiedlichen Typen, dem zurückhaltenden, nachdenklichen Hamburger und dem impulsiven, direkten Bayern mit der Lebensmaxime: du musst über deine Grenzen gehen, sonst kommst du nicht weiter. Und eine Reise durch Afrika. Und durch das Leben der zwei Männer, die sich beide auf ihre Weise auf einer Abschiedstour befinden, die nur einer von beiden lebend beenden wird. Dialoge, von Tscharlis Seite aus bayrisch deftig gewürzt, begleiten diese Reise, diese tragische Männerfreundschaft, aber auch voller Humor und Einsichten, die man dem groben Tscharli gar nicht zugetraut hätte. Es ist aber auch eine Reise in die Geschichte von zwei großen Lieben. Eine Abschiedstour, die den Leser Teil der Geschichte werden lässt .Und ein Afrika-Roman über einen Kontinent,  in dem der Tod im Raum steht und doch getanzt wird. Amüsant, bereichernd lässt die Geschichte einen nachdenklichen Leser zurück.

Gustav Förster

Politycki, Matthias
Hoffmann und Campe Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783455009248
22,00 € (inkl. MwSt.)