Clos Gethseman

Mein Name ist Breitenstein, Karl Breitenstein. Und sie müssen Jacob Jünger sein. Ich bin wegen ihres Weines hier“. Vor einigen Jahren hat Karl Breitenstein nach dem Genuss einer ererbten Flasche Lafite Rothschild seine Karriere als Biertrinker beendet und das geerbte Geld zu großen Teil zu Wein gemacht. Nun steht er vor Jacob Jünger, der ihn mit dem Gewehr in der Hand empfangen hat auf dessen Weinberg, einem Wunder, auf dem er Weine erzeugt, die mit nichts in der Welt zu vergleichen sind. Vor allem der eine, ein Mythos, ein Wein, um den ein Gewese gemacht wird wie um den heiligen Gral. Die Weinlage des Jacob Jünger, das sind sieben Parzellen. Die Weine sind lediglich nach den Nummern der Parzellen benannt. Die Nr. 7 ist der beste.

Im fernen Georgien, dem Land der Überhundertjährigen, in Nisi, dem griechischen Nysos, dort wo in einer Höhle Dionysos geboren wurde, wo das Paradies ist, in dem es in der Bibel wie auch im Koran Flüsse aus Wein gibt, lebt ein uralter Winzer und Großvater, und auch dessen Vater, der noch ältere Urgroßvater. Sie erzeugen die besten Weine der Welt. Außer dem des Jacob Jünger. Sie schwanken zwischen Tradition und moderner Erneuerung.

Einer der Mugaschwilli, vom großen vaterländischen Krieg nach Europa geschwemmt und in französische Uniform gesteckt, entdeckt dort den Wein für sich und wird undurchsichtiger Händler alter und wertvoller Weine für betuchte Kundschaft. Weine, die er weltweit auftreibt, manchmal auch aus versunkenen Schiffen.

Die Journalistin Drygalski jagt einem dreisten Rebenraub nach.

Alle sind sie hinter dem legendären Clos Gethseman her, einer geheimnisvollen Weinlage in der Provence, angeblich gegründet von Templern mit Weinstöcken auf der Flucht mitgebracht aus dem Heiligen Land. Von der Reblaus, der Rache der amerikanischen Ureinwohner an den europäischen Eroberern für die von ihnen dort eingeschleppten Krankheiten und Schädlingen, wurde sie nahezu vernichtet bevor ein entflohener Revolutionär die Rettung durch Aufpfropfen entdeckte. Angeblich aber existieren noch Weine aus der Vor-Reblauszeit. Weine für die das IOC Millionen bietet, der Vatikan dem Lieferanten die Seligsprechung verspricht, das Haus Habsburg-Lothringen die Mitgliedschaft im Orden des heiligen Vlies in Aussicht stellt. Die Mafia ist auch interessiert. Rothschild als Verpächter der Lage versucht das alles zu verhindern.  Mit Rebstöcken aus Nisi soll Clos Gethseman nun  reaktiviert werden, auf LKWs verladen sind sie bereits unterwegs. „Mythen sind unsterblich. Legenden führen ihr Eigenleben. Man muss sie nur glauben, dann wirken sie auch

Ein scheinbares Kuddelmuddel verschlungener Handlungsstränge aus dem der Autor ohne je den roten Faden zu verlieren einen gut recherchierten, gut lesbaren und spannenden Roman gemacht hat. Nicht ohne sarkastische Seitenhiebe. Ein phantasiegeladener Roman um Wein, dem Getränk der Götter. Ein verwickeltes Leseerlebnis zwischen Mythos und Wissenschaft. Mit viel Faktenwissen und Spaß an der Spekulation. Ein augenzwinkernder, gelungener Spagat zwischen Unterhaltung und Anspruch. Dazu ein guter Wein und einige Winterabende sind gerettet.

Gustav Förster

Hönigsberger, Walter
Osburg Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783955101510
22,00 € (inkl. MwSt.)