Cannabis Connection

Amsterdam 1982. Drei junge Leute, die lebenslustige Kiki, der Holländer Sander und Marcel Kamrath aus Deutschland wollen in den Drogenhandel einsteigen. Marcel Kamrath besorgt auf Schleichwegen die dafür notwendigen 250.000 DM. Doch der Versuch sich in die Szene einzukaufen misslingt und endet für Kiki tödlich. Marcel Kamrath kehrt nach Deutschland zurück und beginnt mit der Protektion seines Großvaters Studium und Karriere.

Berlin, 35 Jahre später. Marcel Kamrath, nach grünen Anfängen inzwischen in der konservativen Partei gelandet, steht kurz vor dem Höhepunkt seiner politischen Karriere. Er ist Staatssekretär im Justizministerium und wird bereits als potentieller Ministeranwärter gehandelt. Jetzt soll und will er nur noch ein Gesetz zur Cannabis-Legalisierung gegen die Ablehnung der noch konservativeren Schwesterpartei durchbringen. So wie es im Koalitionsvertrag verankert ist. Den Entwurf hat er bereits in der Tasche. In der Partei gilt er als Saubermann, nur seine Affäre mit der verheirateten Sophie bereitet ihm einige Kopfschmerzen. Da taucht aus dem Dunkel der Vergangenheit plötzlich der totgeglaubte Sander auf. Er ist inzwischen eine große Nummer im niederländischen Drogengeschäft und macht 60% seines Gewinns in Deutschland. Ein Geschäft, das durch die geplante Legalisierung hochgradig gefährdet ist. Sander möchte Kamrath dazu benutzen, dieses Gesetz zu verhindern. Und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Er beginnt den Staatssekretär zu umgarnen. Nach einem gemeinsamen Essen an dem auch Sophie teilnimmt kommt es in einem Berliner Park zu einem Eklat, an dessen Ende ein Junkie tot ist.  Sander verspricht alles „zu regeln“. Damit zieht er Kamprath noch tiefer in den Sumpf, aus dem er nur rauskommen kann, wenn er alles in Frage stellt was bisher wichtig und richtig war.

Ein exzellenter Politthriller eines deutsch-holländischen Autorenduos um Mord, Erpressung, Verrat und Intrigen , der im Laufe der Handlung richtig Fahrt aufnimmt. Anfangs wird in zwei Erzählsträngen abwechselnd aus der Drogen-, Hausbesetzerszene Amsterdams und dem politischen Alltag in Berlin 35 Jahre später erzählt, im zweiten Teil kommt dann noch eine Ich-Erzählerin dazu. Die Milieuschilderungen sind authentisch, egal ob 1982 in Amsterdam oder 2017 in Berlin, vielleicht ein Vorteil von zwei Autoren die abwechselnd schreiben. Der eine den holländischen, der andere den deutschen Teil. Das politische Ränkespiel, Parallelen zur derzeitigen Koalition sind unübersehbar, sind ebenso gekonnt geschildert wie die Drogenszene, in der es durchaus konkurrierende Gruppen gibt, die untereinander vor nichts zurückschrecken. Ein spannender vielschichtiger Roman über organisierte Kriminalität und Politik. Und über eine Männer“freundschaft“, bei der man immer befürchten muss, der Umarmende hat ein Messer in der Hand, bereit es in den Rücken zu stechen.

Gustav Förster

Toes, Jac/Hoeps, Thomas
Unionsverlag
ISBN/EAN: 9783293005518
19,00 € (inkl. MwSt.)