Bretonische Idylle

Es ist 10 Jahre her, dass Kommissar Dupin aus Paris in die Bretagne versetzt wurde. Zehn Jahre, in denen seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen versucht haben, aus ihm einen Bretonen zu machen. Zum Jubiläum ist ein großes Fest geplant. Doch da wird im Hafen von Concarneau eine angeschwemmte Leiche gefunden. Ein Mordopfer wie sich schnell herausstellt. Es ist Patric Provost, ein reicher und ziemlich unbeliebter Mann von der Belle-Ile, der einmal im Jahr mit seinem Boot zu einem kurzen Besuch zur Verwandtschaft nach Concarneau kommt. Auf der Belle-Ile, der sagenumwobenen Insel westlich der Halbinsel Quiberon, der Überlieferung nach entstanden aus der Krone eines Feenvolkes am Golf von Morbihan, züchtet Provost auf Salzwiesen die berühmten Belle-Ile-Schafe. Und ehe Dupin sich versieht befindet er sich, grün im Gesicht, denn seefest ist er nach 10 Jahren Bretagne immer noch nicht, auf einem Schnellboot auf dem Weg zur Belle-Ile. Dort trifft er auf eine illustre Runde möglicher Verdächtiger. Eine amtsbewusste Bürgermeisterin, befasst mit einem Smart-Island-Projekt. Und die alte Siedlervereinigung Association de Acadiens, fast eine Geheimgesellschaft. Und Madam Corbel, die der von ihr bewunderten Schauspielerin Sarah Bernhardt auf der Belle-Ile eine Gedenkstätte schaffen möchte.  Und einen Schäfer sowie einen Menhirforscher, der gerade dabei ist, zwei Menhire, Jean und Jeanne, zu vermessen, von denen er behauptet, sie würden immer näher zusammenrücken und die in Beziehung zu den Steinreihen von Carnac stehen würden. Bis hin zur örtlichen Bäckerei hat scheinbar jeder etwas mit dem Fall zu tun. Ein Fall der Dupin fast verrückt macht.  Vor allem weil Provost auch als Toter noch das macht, was er immer am liebsten gemacht hat, er ruiniert die Träume und Pläne anderer. Und als ob das noch nicht reicht, gibt es eine weitere Tote  und die Entführung eines  Fährkapitäns mit anschließender Erpressung, die Dupin an einen Fall vor 3 Jahren in Nantes erinnert.

Mit seinem zehnten Bretagne-Krimi entführt der Autor seine Leser und Leserinnen auf die Belle-Ile, ein grandioses Stück Natur, ein kleines Paradies „das sich magisch durch den Raum bewegt….. das im Meer treibende Diadem der Feenkönigin“. Ein Paradies, das sich wie der geheimnisvolle Fall, den der Coffein-Junkie Dupin zu lösen hat, oft im Seenebel versteckt. Geschickt  verwebt der Autor, inzwischen auch inoffizieller Botschafter der Bretagne, dabei den Krimi mit grandiosen Landschaftsbeschreibungen und den geheimnisvollen Mythen und Sagen seiner Wahlheimat, wobei er jeden seiner Romane in einer anderen Ecke der Bretagne spielen lässt. Nichts kommt dabei zwischen den vielen Kaffees, die Dupin im Laufe eines Tages schlürft, zu kurz. Krimi, Landschaft, Mythen und Sagen, die bretonische Lebensart und der Genuss stehen gleichwertig nebeneinander. Ein Sommerroman wie ein gutes Menü bretonne.

Gustav Förster

Bannalec, Jean-Luc
Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co KG
ISBN/EAN: 9783462054026
16,00 € (inkl. MwSt.)