Bakhita

„Bakhita“ ist ein autobiografischer Roman über Josefine Bakhita, die „Madre moretta“, die von der Sklavin zur Schutzheiligen des Sudan wurde. 1869 wurde sie im westlichen Sudan geboren. Sie ist 7 Jahre alt und mit ihrer Freundin Sire auf der Suche nach Kräutern  als sie entführt, verschleppt und als Sklavin verkauft wird. In den folgenden Jahren wird sie mehrfach verkauft, sie vergisst Namen und Muttersprache, den Namen Bakhita geben ihr die Entführer. Sie erlebt unvorstellbare Brutalität, an ihrem eigenen Körper, an ihren Mitgefangenen. Sie muss mit ansehen wie entkräftete Gefangene einfach zurückgelassen werden, wie Schwache und Kranke erschlagen werden, wie Frauen und Mädchen vergewaltigt werden, wie ein weinendes Kind einfach mit dem Kopf an einen Stein geschlagen wird, um es zum Schweigen zu bringen. Auch sie wird vergewaltigt. Ein türkischer General  lässt sie brutal tätowieren um sie als sein Eigentum zu kennzeichnen, mit einem Messer und Salz, das in die Wunde gefüllt wird, um bleibende Vernarbungen zu erzeugen. Eine Mitgefangene stirbt bei dieser Tortur. Schließlich kauft sie italienischer Konsul, der sie, inzwischen 16 Jahre alt, an einen Freund übergibt. Irgendwie gelingt es ihr durch Überredung als Kindermädchen mit nach Italien genommen zu werden. Als ihre Besitzer dann wieder ans Rote Meergehen kommt sie zusammen mit deren Kind, dem sie einmal das Leben gerettet hat, in die Obhut eines Ordens, der Canossianerinnen. Als ein italienisches Gericht befindet, sie sei rechtlich nie Sklavin gewesen, entscheidet sie sich, inzwischen volljährig, in dem Orden zu bleiben. Und dort bleibt sie, keiner Sprache richtig mächtig, Analphabetin in mehreren Sprachen, des Schreibens mehr oder weniger unkundig, immer sanftmütig, kinderlieb und freundlich, schließlich gebeugt und krank, bis an ihr Lebensende 1947. Durch ihr zwischendurch niedergeschriebenes Leben wird sie als „unsere kaffeebraune Mutter“ in ganz Italien bekannt. Nach ihrem Tod, der sie im Sterben noch einmal in den Sudan zu ihrer Mutter zurückführt, wird sie erst Seelig- und im Jahr 2000 schließlich Heiliggesprochen. Heute ist sie die Schutzheilige des Sudan.

Aus diesen Aufzeichnungen schafft Veronique Olmi ihren autobiografischen Roman. Es ist ein eindrucksvoller Roman über Sklaverei, Rassismus und Kolonialismus und über das Verhältnis Europas zu Afrika. Über den weg einer Frau vom in die Sklaverei verschleppten Kind zur heiligen, entführt gequält, verkauft, verschenkt, in Italien bestaunt und gefürchtet wie ein exotisches Tier, bei deren Anblick sich so mancher bekreuzigte. Tabu- und schonungslos schildert die Autorin dieses leben, authentisch und ohne Distanz. Sie erspart uns, den Lesern, keine Detail. Ein wichtiger Roman, manchmal fast zu deutlich, der nicht nur seiner Hauptperson sondern allen Sklaven und Sklavinnen eine Stimme gibt.

Gustav Förster

Olmi, Véronique
Hoffmann und Campe Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783455006018
25,00 € (inkl. MwSt.)