Alphabet der Schöpfung

Die Idee an sich ist nicht neu. Der künstliche Mensch. Mit Mary Shelley`s „Frankenstein“ ist sie in der Literatur fest verankert, ein Klassiker, mehrfach verfilmt. Mit der Gentechnik ist sie fast schon in der Realität angekommen. Wer weiß schon, woran so manche Zauberlehrlinge in den Laboren experimentieren. Mit ihrem Wissenschaftsthriller DAS ALPHABET DER SCHÖPFUNG nimmt die Autorin I.L.Callis sich auf 464 Seiten des Themas in einer zeitgemäßen Version an. Der Journalist Alexander Lindahl wird von seinen alten Freund Max von Damme nach Berlin eingeladen. Er soll als Außenstehender unbeeinflusst von Fachwissen, ohne Fachchinesisch über dessen Gentechnikunternehmen Phoenix, und über dessen Erfolgsgeschichte und Visionen einer glänzenden Zukunft schreiben. Die Firma, ein aufstrebendes Unternehmen, nach außen jung, freundlich, fröhlich, hoch motiviert, soll damit für potentielle Inverstoren interessant gemacht werden. Für seine Geschichte bekommt Lindahl Zutritt zu nahezu allen Bereichen der hermetisch abgeschirmten Firma, ein eigenes Zimmer auf dem Betriebsgelände, einen permanenten Begleiter an die Seite gestellt. Doch hinter dieser Fassade sieht es anders aus, Nervenzusammenbrüche, Todesfälle. Von einem Journalisten, der kurz darauf zu Tode kommt, in einer Berliner Kneipe angesprochen sieht er, anfänglich skeptisch von der Fassade geblendet, die Firma mit anderen Augen und entdeckt bei seinen Recherchen in einem Forst- und Moorgebiet nahe Berlin ein Dorf mit menschenähnlichen Hominiden, Ergebnisse einer streng geheimen, gut abgeschirmten  Hybridforschung, in der auch Überreste eines Urzeitmenschen eine Rolle spielen. Die Lage gerät zunehmend außer Kontrolle, eine Junge verschwindet im Moor, unerklärliche DNA-Spuren tauchen auf, jede Ethik ist in Frage gestellt, Grenzen werden überschritten.

DAS ALPHABET DER SCHÖPFUNG ist ein angenehm zu lesender, flüssig geschriebener, spannender  Wissenschaftsthriller bei dem der Leser an manchen Stellen wirklich nicht mehr weiß, ist es nur Fiction? Ist es vielleicht sogar näher an der Realität als wir glauben? Manchmal auch befürchten? Lesen wir nicht immer wieder von Versuchen, Mammuts zurück zu züchten? Dinos gar, den Dinopark nicht nur als Film? Retortenbabys wunschgerecht zu designen? War nicht Jules Verne auch Sciencefiction als er seine Romane schrieb, die heute in vielen Teilen von der Realität bereits überholt sind? Es ist ein gut lesbares Buch für Liebhaber von Wissenschaftsthrillern, offensichtlich glaubhaft recherchiert, das ganz nebenbei auch Fragen der Ethik anspricht. Was darf die Forschung? Was darf sie nicht? Wie weit geht die Freiheit der Wissenschaft, durch die  Aufklärung von den Zügeln religiöser Vorgaben befreit? Was passiert, wenn Zauberlehrlinge erfolgsbesessen und naiv Grenzen überschreiten? Ein Buch, das bei aller Spannung den Leser auch nachdenklich zurücklässt. Erschienen ist der Roman, das Debüt der Autorin, im September im Emons Verlag

Gustav Förster

Callis, I L
Emons Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783740804169
22,00 €